Das Dividend Drill Return Model (DDRM)

DDRM Dividend Drill Return Model

Einleitung – Das DDRM

Josh Peters führte in seinem Buch The Ultimate Dividend Playbook das Dividend Drill Return Model ein. Er entwickelte ein Modell mit dem man die langfristige Renditeerwartung eines Unternehmen unter Berücksichtigung der Gewinnsteigerung, Ausschüttungsquote der Dividende, Zukäufe, sowie Aktienrückkäufe berechnen kann. Ich nutze dieses Modell zur Auswahl meiner Aktien, auf die ich Put Optionen schreibe und die ich gerne im Depot hätte.

Das Interessante an diesem Model ist, dass es recht einfach ist und trotzdem die wesentlichen Kennzahl in die Berechnung einfließen lässt. Mir persönlich geht es speziell darum, so viel wie möglich in dem Prozess zur Bewertung der Aktien zu automatisieren, so dass ich nicht hunderte Seiten von Reports lesen muss, um die Entwicklungserwartung eines Unternehmen zu bewerten.

Diese Kennzahlen nutzt das DDRM

Das DDRM (Dividend Drill Return Model) nutzt folgende Kennzahlen eines Unternehmens bzw. der Aktie des Unternehmen:

Preis der Aktie:
Die Daten findet jeder schnell auf gängigen Finanzplattformen. Der Preis pro Aktie ändert sich bei liquiden Aktien quasi sekündlich. Was aber kein Problem für das Modell darstellt, wie wir bei den Berechnungen noch sehen werden.

Aktuelle Dividende pro Jahr:
Auch die Dividendenausschüttung pro Jahr lässt sich auf den gängigen Finanzplattformen ermitteln. Wir verwenden nur reguläre Dividenden und keine Sonderdividenden, die einmalig ausgeschüttet werden.

Gewinn pro Aktie:
Der Gewinn pro Aktie wird auf den englischen Finanzplattformen als EPS oder Earnings per Share dargestellt. Auf den deutschten Plattformen findet man direkt den Gewinn pro Aktie.

Wachstumsrate:
Hier wird es schon ein wenig tricky, da die Wachstumsrate meistens auf Analystenmeinungen basiert.. Ich verwende zur Berechnung die EPS (Earnings per Share) bzw. den Gewinn pro Aktie. Denn das ist letztendlich das, aus dem die Dividende auch nachhaltig ausgeschüttet wird. Die erwartete Gewinnsteigerung findet man auch auch den gängigen Finanzplattformen. Je nach Unternehmen, sollte man hier mehrere Quellen heranziehen und den niedrigsten, konservativsten Wert nutzen.

ROE:
Der ROE (englisch für: Return on Equity) ist die Eigenkapitalrendite des Unternehmens. Diese Kennzahl sagt aus, wie viel Gewinn das Unternehmen aus dem Eigenkapital erwirtschaftet. Der Return on Equity wird üblicherweise in Prozent angegeben.

Wie das Dividend Drill Return Model (DDRM) arbeitet

Das DDRM bricht die Gesamtrendite in drei Teile herunter. Die aktuelle Dividendenrendite, die Gewinne mit denen die Dividenden bezahlt werden, sowie Änderungen der umlaufenden Aktien aufgrund von Aktienrückkäufe durch das Unternehmen selber. Die letzten beiden Teile führen letztendlich zu der erwarteten Dividendensteigerung.

Nachhaltige vs. reale Wachstumsrate

Wie ich bereits in einem Blogbeitrag gezeigt habe, lässt sich mit Hilfe der Payout Ratio (Ausschüttungsquote), sowie des ROEs (Return on Equity), die nachhaltige Wachstumsrate eines Unternehmens berechnen. Für die Firma Starbucks (SBUX) berechnete ich in meinem Beispiel eine nachhaltige Wachstumsrate von 58% pro Jahr. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass Starbucks aufgrund des hohen ROE und der niedrigen Ausschüttungsquote der Dividende jedes Jahr sein Gewinn um sagenhafte 58% steigert. Hierbei handelt es sich um einen rein theoretischen Wert, da für ein echtes Unternehmenswachstum hier noch viele weitere Daten mit rein spielen. (Gibt es überhaupt noch Märkte? Gibt es aktuell Konkurrenz, die schon den Markt besitzt? etc..).

Ein Blick in in durchschnittliche jährliche Gewinnsteigerung der nächsten 5 Jahre auf der Webseite Finviz (Stand September 2018), zeigt für SBUX ein prognostiziertes Wachstum von 13,87% jährlich. Nun stellt sich die Frage:

Was passiert mit dem Rest des Gewinns von Starbucks, wenn das Unternehmen pro Jahr nur 13,87% und nicht um 58% wächst bzw. wachsen kann?

Starbucks hat aktuell eine Dividendenrendite von 2,63% und eine erwartete Wachstumsrate von 13,87%. Geht man davon aus, dass sich die Aktie mit dem Wachstum entwickelt (was durch Mr. Market niemals 1:1 der Fall sein wird) ergibt sich eine Gesamtrendite (Aktien + Wachstum) von 16,51%.

Nach der oben genannten Renditeberechnung bleiben aber noch folgende Fragen offen:

  1. Was passiert mit den überschüssigen Gewinnen, die nicht zum Wachstum bzw. für Dividendenausschüttungen genutzt werden können?
  2. Wie viel Gewinn benötigt Starbucks, um mit den erwarteten 13,87% jährlich zu wachsen?

Mit welcher maximalen Ausschüttungsquote kann das Unternehmen wie prognostiziert wachsen?

Nun bedienen wir uns wieder der Berechnung der nachhaltigen Wachstumsrate. Wir erinnern uns:

Nachhaltiges Wachstum
=
(1-Payout Ratio) x Return on Equity (ROE)

Diese Formel stellen wir  mit ein bisschen Mathematik so um, dass wir die Ausschüttungsquote (Payout Ratio) für das erwartete und nicht-nachhaltige Wachstum ermitteln können. Daraus ergibt sich dann:

Payout Ratio_Wachstum
=
1 – Erwartetes Wachstum / Return on Equity (ROE)

Wenn wir diese Formel nun mit den Kennzahlen von Starbucks (SBUX) füllen erhalten wir folgendes:

1 – 0,1387 / 0,91 = 0,846 = 84,6%

Was sagt uns diese Payout Ratio? Selbst wenn Starbucks 84,6% seines Gewinnes an die Aktionäre ausschütten würde, könnte es noch mit 13,87% im Jahr wachsen. Aktuell schüttet Starbucks nur 36% seiner Gewinne in Form von Dividenden aus, um wie prognostiziert wachsen zu können.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass nur 15,4% im Unternehmen verbleiben müssen, um mit 13,87% jährlich zu wachsen:

1 – 0,846 = 0,154 = 15,4%

Wie hoch sind die Wachstumskosten?

Mit den oben genannten Werten berechnen wir nun die nächste Kenngröße: Die Wachstumskosten des Unternehmen.

Zum Zeitpunkt dieses Artikels weist Starbucks (SBUX) einen Gewinn pro Aktie von 3,30 USD auf. Wir wissen aus der vorherigen Berechnung, dass Starbucks aktuell 15,4% des Gewinnes nutzen muss, um 13,87% jährlich zu wachsen. Daraus können wir folgern, dass Starbucks 0,5 USD pro Aktie für das Wachstum nutzt (15,4% von 3,30 USD).

Setzen wir die bisher beschriebenen Formeln zusammen, so lassen sich die Wachstumskosten auch sofort berechnen:

Wachstumskosten
=
Erwartetes Wachstum / Return on Equity (ROE) x Gewinn pro Aktie

Hier nochmal mit Zahlen:

0,1387 / 0,91 x 3,30 USD = 0,5 USD

Diese Berechnung zeigt, wir viel Einfluss die Eigenkapitalrendite (ROE) eines Unternehmen auf die Wachstumskosten hat. Unternehmen wie Starbucks mit einem ROE jenseits der 50% können deutlich leichter wachsen wie große Konglomerate mit ROEs um die 10%.

Was passiert nun mit dem Überschüssigen Gewinn?

Wir wissen nun nicht nur wie viel Dividende Starbucks aktuell ausschüttet, sondern auch, wie viel es das Unternehmen kostet, um wie prognostiziert zu wachsen. Aus diesen Kennzahlen berechnen wir nur den Überschuss, den wir hier als überschüssigen Gewinn bezeichnen.

Überschüssiger Gewinn
=
Gewinn pro Aktie – Dividende – Wachstumskosten

Auch hier schauen wir uns wieder Starbucks an und berechnen den überschüssigen Gewinn:

3,30 USD – 1,44 USD – 0,5 USD = 1,36 USD

Was macht ein Unternehmen nun mit dem überschüssigen Gewinn, wenn es durch weitere Investitionen seine Wachstumsrate nicht weiter steigen kann? Es kauft Aktien zurück! Eine kurze Google Suche liefert zum Beispiel hier direkt Ergebnisse zum Starbucks Buy Back Program.

Aufgrund der sinkenden Anzahl frei verfügbarer Aktien dieser Unternehmen, führt selbst eine konstante Dividendenausschüttung zu steigenden Dividenden pro Aktie. Da diese Unternehmen aber gleichzeitig die Dividende jährlich zu steigern versuchen, beschleunigt ein Aktienrückkauf das Dividendenwachstum zusätzlich. 

Wie ändert sich nun die Anzahl der verfügbaren Aktien?

Im nächsten Schritt berechnen wir aus dem überschüssigen Gewinn, nach Auszahlung der Dividende und Abzug der der Wachstumskosten, die Veränderung der verfügbaren Aktien. Diese hat, wie oben erläutern, einen direkten Einfluss auf die Gesamtrendite der Aktionäre.

Änderung der verfügbaren Aktien 
=
überschüssiger Gewinn / Aktienpreis

Natürlich schauen wir uns hier auch wieder Starbucks an. Starbucks notiert aktuell bei 55,04$. Somit erhalten wir eine Veränderung der frei verfügbaren Aktien:

1,36$ / 55,04$ = 2,47%

Die Berechnung der Gesamtrendite

Führen wir nun alles zusammen. Wir wissen nun folgendes:

  • Die erwartete Wachstumsrate beträgt 13,87%
  • Starbucks (SBUX) kauft 2,47% der handelbaren Aktien in Form von Aktienrückkaufprogrammen zurück
  • Die Aktuelle Dividendenrendite beträgt 2,64% (1,44$)

Alle drei Kennzahlen wirken sich in einem (effizienten) Markt (direkt) auf den Aktienpreis aus. Bleiben alle Unternehmenskennzahlen gleich, führt die Wachstumsrate von 13,87% zu einer entsprechenden Verteuerung des Aktienpreises.

Die Verringerung der handelbaren Aktien, führt bei gleichbleibender Dividendenausschüttung zu einer Dividendensteigerung von 2,47% jährlich und die Dividende beträgt 2,64%.

Die Gesamtrendite ergibt sich somit aus:

Gesamtrendite 
=
Erw. Wachstumsrate + Änderung der verfügbaren Aktien + Dividende

Starbucks weist somit zum Zeitpunkt dieses Beitrages eine Gesamtrendite von 18,98% auf! (13,87% + 2,47% + 2,64%)

Fazit

Unter Berücksichtigung des Gewinns, der erwarteten Wachstumsrate, der aktuellen Dividendenauschüttung, der Eigenkapitalrendite (ROE), sowie des Aktienpreises, bietet das Dividend Drill Return Model (DDRM) eine einfache, aber dennoch umfassende Berechnung der Gesamtrenditeerwartung eines Unternehmens. Dabei inkludiert das DDRM in den Berechnungen neben der prognostizierten Wachstumsrate der Dividende auch Aktienrückkäufe, die aus dem Gewinnüberschuss resultieren. Für mich stellt das DDRM ein wichtiges Tool als Optionshändler dar, der Optionen auf stabile und wachstumsstarke Unternehmen schreibt.


Schreibe einen Kommentar

Ich akzeptiere