Wie du (fast) ohne Eigenkapital eine Aktienposition aufbaust

Synthetische Aktienposition

Angenommen du hast eine Aktie gefunden, mit der du liebäugelst. Die Fundamentaldaten und/oder das technische Chartbild sehen gut aus und du erwartest kurzfristig einem Ausbruch aus einer Konsolidierungszone. Nun hast du zwei Möglichkeiten.

Du könntest die Aktie direkt kaufen oder du baust eine synthetische Aktienposition mithilfe von Optionen auf. Im Folgenden möchte ich dir die Unterschiede zwischen diesen beiden Möglichkeiten zeigen und dir erklären, wie du eine synthetische Aktienposition aufbaust.

Werbung

Direkter Kauf der Aktie

Hierbei handelt es sich um den Klassiker. Du möchtest zum Beispiel 100 Aktien eines Wertes besitzen, platzierst eine klassische Kauforder und nach kurzer Zeit werden dir 100 Aktien ins Depot gebucht. Dabei hinterlegst du nun, je nach Broker, entweder eine entsprechende Margin oder bezahlst dem vollen Kaufpreis des Trades. Im ersten Fall hinterlegst du nach dem REG-T Margin Regularien 50 % des Aktienwertes als Margin. Verfügt dein Depot über Portfoliomargin, kann dies auch weniger sein. Diesen Fall wollen wir hier aber nicht betrachten.

Betrachten wir dem klassischen Fall eines Margindepots könnte die Rechnung wie folgt aussehen:

Kurs des Basiswertes: 80 USD
Anzahl der Aktien: 100
Marginanforderungen: 50 %

Marginanforderung an dein Depot: 80 USD x 100 x 50 % = 4000 USD

Beim klassischen Kauf der Aktien musst du also 4000 USD Margin hinterlegen.

Kommen wir nun zu einer alternativen Methode über die gleiche Anzahl dieser Aktien zu verfügen. Denn grundsätzlich musst du die Aktien nicht besitzen, um von der Kursentwicklung zu profitieren. Es reicht lediglich, über die Position Kontrolle zu haben. Und hier kommen die Optionen ins Spiel. Kontrolle erlangst du in diesem Fall über eine synthetische Aktienposition.

Die synthetische Aktienposition als Alternative zum Direktkauf

Was bedeutet synthetische Position?

Eine synthetische Position ähnelt dem Risikoprofil seines Äquivalents. Somit verhält sich die synthetische Position entsprechend der direkten Aktienpositionen hinsichtlich des Risikos, des Gewinns und der Gewinnwahrscheinlichkeiten.

Warum du eine synthetische Aktienposition im Betracht ziehen solltest

Die grundsätzliche Idee dabei ist möglichst wenig Eigenkapital für die Position zu nutzen. Wir wollen an der Börse generell ein möglichst hohen Return On Capital, also eine möglichst hohe Kapitalverzinsung generieren. Denn Eigenkapital ist die Ressource, die bei uns Investoren bzw. Tradern das knappe Gut ist.

Der Return On Capital errechnet sich aus dem Gewinn geteilt durch das eingesetzte Eigenkapital.

Return On Capital = Gewinn / eingesetztes Eigenkapital

Das Risikoprofil einer Aktien Long Position

Schauen wir uns dazu erstmal das Risikoprofil einer Aktienposition an.

Gewinn- und Verlustprofil eines long Aktientrades

Auf der dargestellten Grafik findest du auf der x-Achse (horizontal) die möglichen Kurse des Basiswertes, den du handeln willst. Auf der y-Achse (vertikal) findest du nach oben hin den möglichen Gewinn und nach unten den möglichen Verlust.

Angenommen du kaufst eine Aktie zum Einstandskurs, hier die Kreuzung der blauen Linie mit der x-Achse und der Wert der Aktie steigt. Damit steigt dann auch dein Gewinn entsprechend linear an. Umgekehrt verlierst du mit dieser Long Position, wenn der Kurs der Aktie sinkt.

Den exakt umgekehrten Fall findest du bei einer entsprechenden Short Position.

So baust du eine synthetische Long Position auf

Um nun eine synthetische Long Aktienposition aufzubauen, gehst du wie folgt vor:

Du kaufst einen Call ATM, also am Geld und verkaufst Gleichheit einen Put ATM, also auch am Geld. Die Rechnung sieht dabei wie folgt aus.

+S = +C - P

Wobei “S” für Stock, “C” für Call und “P” für Put steht. Die Vorzeichen geben an, ob es sich um eine Long oder Short Position handelt.

Risikoprofil eines Long Calls

Betrachten wir nun das gemeinsame Risikoprofil eines ATM Long Calls und eines ATM Short Puts, so sehen wir exakt dasselbe Risikoprofil, als wenn wir die Aktien direkt kaufen würde. Der Call gibt dir das Recht über die Kontrolle über 100 Aktien des Basiswertes. Sollte die Aktie also steigen, hast du jederzeit die Möglichkeit von deinem Ausübungsrecht Gebrauch zu machen. Der Put finanziert dir dabei den Call und du könntest die Position mit Gewinn schlissen. Läuft die Aktie ins Minus, läuft der Put ins Geld, wird teurer und du musst ihn mit Verlust zurückkaufen.

Risikoprofil eines Short Puts

Im Idealfall generierst du mit der Eröffnung der Position sogar Einkommen, sollte dieser als Credit-Trade ausgeführt werden. Das Halten der Position blockiert dann nur noch einen kleinen Teil an Margin, der deutlich unter der 50 % Reg-T Margin liegt. In meinem Test mit der Nike Aktie NKE zu je 85 USD lag die Margin Anforderung bei weniger als ca. 1.500 USD.

Angenommen die Aktie steigt kurzfristig um 10 %. Dann liefert ein Vergleich des Return On Capitals (ROC) beider Varianten (Direktkauf vs. synthetische Position) folgendes Ergebnis:

Direktkauf der Aktien: 
ROC = 10 % * 8000 USD / 4000 USD = 20 %

Synthetische Aktienposition (bei angenommener 1.500 USD Margin):
ROC = 10 % * 8000 USD / 1.500 USD = 53 %!

So baust du eine synthetische Short Position auf

Eben habe ich dir gezeigt wie du eine synthetische Long Position aufbaust. Nun schauen wir uns das Gegenstück dazu an. Den Aufbau einer synthetischen Short Position.

Diese lässt sich mit einfacher Mathematik schnell herleiten. Eine Short Position bezeichnen wir hier als “-S”. Multiplizieren wir die oben beschriebene Gleichung für eine synthetische Long Aktienposition also mit -1 so folgt:

-S = -C + P

Zum Aufbau einer synthetischen Short Aktienposition verkaufen wir also einen Call am Geld und kaufen einen Put am Geld. Damit spekulieren wir auf fällende Kurse des Basiswertes.

Das Risikoprofil kehrt sich damit um.

Zusammenfassung und Fazit

Eine Aktienposition, sowohl Long, wie auch Short, lässt sich unkompliziert mit Optionen abbilden. Da diese Position das gleiche Risikoprofil aufweist, wie ein direkter Kauf oder Verkauf der Aktien, handelt es sich um eine synthetische Aktienposition.

Der Vorteil hierbei gegenüber dem direkten Handel der Aktie, ist ein deutlich höherer Return On Capital, da du weniger Eigenkapital einbringen musst. Du finanzierst die Long Option mit der Short Option. Der einzige Nachteil an der synthetischen Position ist die begrenzte Laufzeit der Optionen, was bedeutet, dass sich die Aktie in kurzer Zeit in die gewünschte Richtung bewegen muss, bevor die Optionen verfallen.

Werbung

4 Gedanken zu “Wie du (fast) ohne Eigenkapital eine Aktienposition aufbaust

  1. Nicht ganz korrekt. Der Nachteil am künstlichen Schema ist auch das der Gewinn später erreicht ist (um die Prämie des Longs verschoben) – Zwar vermindert um deine jeweilige Gegenposition, aber sie ist da. Die Gegenposition limitiert dir auch das UP.

    1. Hi Stefan,

      danke für deinen Kommentar. Was ist denn genau nicht korrekt? Du hast vollkommen recht. Der Gewinnverlauf verschiebt sich leicht um die Prämien. Je nachdem ob du einen Credit- oder Debit-Trade mit den kombinierten Positionen eingehst.

      Beste Grüße
      Chris

  2. Wenn man ausschließlich von den Kursgewinnen profitieren möchte ist das definitiv besser als der reine Aktien-Trade. Allerdings darf man nicht vergessen, dass bei dieser Konstruktion, die auch ohne Probleme über 1 bis 2 Jahre laufen kann, keine Dividenden anfallen.

    Lg Michael

Kommentar verfassen