Wie du deine Aktien gegen fallende Kurse absichern kannst

Absicherung fallende Kurse

In diesem Artikel möchte ich dir eine Möglichkeit zeigen, wie du deine Aktieninvestments gegen fallende Kurse absichern kannst.

Einleitung

Der Aktienmarkt ist von Emotionen stark beeinflusst. Dabei kann die Gier der Marktteilnehmer Preise in die Höhe treiben. Auf der anderen Seite führt Panik am Markt zu starken Kurseinbrüchen. Was des einen Leid ist, Freud den anderen. Denn bei starken Markteinbrüchen bieten sich wieder Gelegenheiten zum Nachkaufen.

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Doch wenn du bereits ein Portfolio an Aktien aufgebaut hast, die du langfristig halten möchtest, kann so ein Einbruch schmerzhaft sein. Selbst wenn du nur in Dividendenaktien investierst, kann so ein Einbruch auch die Margin deines Depots in die Höhe treiben. Dies führt dann im schlimmsten Fall zur Zwangsliquidierung deiner Aktienpositionen.

Monatschart: SPX zwischen 1992 und 2019 (www.tradingview.com)

Betrachten wir die letzten 17 Jahre des S&P 500 Index, so sehen wir immer wieder starke Einbrücke am Markt. Zwischen 2000 und 2002 ging es während der Dot-Com Blase ca. 50 % am Markt bergab. Gefolgt im Jahr 2008 von der Immobilienkrise, wo es auch nochmal gute 50 % nach unten ging. Auch der “kleine” Einbruch Ende 2018 hat mit Sicherheit bei einigen Marktteilnehmern seine Spuren hinterlassen.

Diese Einbrüche treten immer mal wieder am Markt auf. Das Problem dabei: Niemand kann so einen Einbruch oder sogar einen Black-Swan Ereignis voraussagen. Möchtest du also dein Portfolio absichern, musst du entsprechende Maßnahmen ergreifen. Eine schicke Möglichkeit zur Absicherung gegen fallende Kurse möchte ich dir nun vorstellen. Dabei handelt es sich natürlich nur um eine von vielen Möglichkeiten.

Die Absicherung über langlaufende Put Optionen (LEAPS)

In meinem Blog geht es im Wesentlichen um Optionen. Und auch hier kannst du die vielfältigen Möglichkeiten der Optionen nutzen, um Positionen im Portfolio zu “hedgen”, also abzusichern.

Die Strategie, die ich dir im folgenden Vorstelle nutzt LEAPS Optionen.

Was sind also LEAPS?

LEAPS kommt aus dem Englischen und bedeutet “Long Term Equity Anticipation Security”. Es handelt sich dabei um langlaufende Optionen, z.B. auf Basiswerte in Form von Aktien. Zur Erzeugung von Cashflow und Einkommen an der Börse nutzen wir kurz laufende Optionen von mehreren Wochen, da hier der Zeitwertverfall stetig zunimmt. Die langlaufenden Optionen (LEAPs) können je nach Verfügbarkeit und Underlying eine Laufzeit bis zu mehreren Jahren haben.

Grundsätzlich unterscheiden sich die LEAPS Optionen nur in der Laufzeit von den üblichen Wochen- oder Monatsoptionen. Auch hier sind die Optionen sowohl als Put Optionen, wie auch als Call Optionen verfügbar.

Wir erinnern uns:
Eine Put Option gibt dem Käufer der Option das Recht, den Basiswert zu dem fest gelegten Strikepreis zu verkaufen. Eine Call Option gibt dem Käufer das Recht den Basiswert zu dem fest gelegten Strikepreis zu kaufen.

LEAPS Option sind im Gegensatz zu kurz laufenden Optionen relativ teuer. Dies schreckt vermutlich auch viele Marktteilnehmer ab, LEAPS als Absicherung zu kaufen. Hier kann es schnell vorkommen, dass du für die Absicherung von 100 Aktien a 100 USD, schnell 500 USD für eine langlaufende Option zahlen musst.

Doch die folgende Strategie sieht vor, den Kauf der LEAP Option gegenzufinanzieren. Hierauf gehe ich im Folgenden ein.

Die Absicherungsstrategie mit LEAPs

Um die Strategie umzusetzen, sind folgende drei Schritte notwendig.

  1. Aktien kaufen
  2. LEAPS Put Option zur Absicherung kaufen
  3. LEAPS durch den Verkauf von kurz laufenden Short Optionen finanzieren

Die einzelnen Schritte schauen wir uns jetzt im Detail an.

Aktie kaufen

Zunächst brauchen wir (geeignete) Aktien, für die auch LEAP Optionen gehandelt werden. Ich für meinen Teil möchte nur Aktien von großen Unternehmen im Depot haben, die mir auch langfristig eine stetige Dividende zahlen. Diese Dividende soll jedes Jahr steigen und mir so Jahr für Jahr mehr Einkommen bescheren. Dabei handelt es sich aber nur meine persönliche Dividendenstrategie.

Da sich eine Aktienoption immer auf 100 Basiswerte bezieht, benötigst du entweder 100 Aktien eines Unternehmens oder ein vielfaches davon. Natürlich kannst du auch weniger im Depot haben. Dann zahlst du aber quasi mehr für den Hedge. Ich kaufe keine Aktien direkt am Markt, sondern schreibe Put Optionen auf die Aktien, die ich im Depot haben möchte. Daher passt dies perfekt in meine Dividendenstrategie. Ein paar Altlasten im Depot lasse ich außen vor.

Hast du bereits die Aktien Depot, die du absichern möchtest? Gut. Ansonsten natürlich erstmal die Aktien kaufen.

LEAPS Put zur Absicherung kaufen

Als Nächstes kaufst du, passend zu der Anzahl der jeweiligen Aktie in deinem Depot, eine oder mehrere langlaufende Optionen auf diesen Basiswert. Nun stellt sich die Frage welche Laufzeit die Option haben sollte. Einige Basiswerte bieten LEAPS bis zu 400 oder 500 Tagen Laufzeit. Andere wiederum nur 180 Tage Laufzeit. Du musst also entscheiden, wie lange du die Option als Absicherung nutzen möchtest.

Steigt die abgesicherte Aktie in den nächsten Monaten stark, so ist fraglich, ob du die Put Option noch behalten willst. Um so länger die Option läuft, um so mehr bezahlt du logischerweise für die Option. Denn um so höher ist der Zeitwert. Vielleicht hat sich aber in der Zwischenzeit auch die Situation geändert und es gibt für dich keinen Grund mehr die Aktie zu besitzen (z.B.schlechtere Fundamentaldaten oder nicht die erwartete Dividendensteigerung).

Ich tendiere aktuell immer zu Laufzeiten zwischen einem halben Jahr und Jahr. Dies musst du aber für dich selber entscheiden.

Kaufst du nun die Put Option und zahlst die entsprechende Optionsprämie, unterliegt die Option von nun an dem Zeitwertverfall und verliert an Wert. Um so näher die Option an den Verfallstag herankommt, desto größer wird dieser Zeitwertverfall.

Da wir für die Absicherung, die in dieser Strategie vorgestellt wird, keinen Cent bezahlen wollen, kommen wir nun zu Schritt drei.

LEAPS Put über Short Optionen finanzieren

Wir finanzieren nun die gekaufte Put Option nachträglich durch Short Optionen. Und zwar mindestens so lange, bis wir den gesamten Kaufpreis der Option wieder eingenommen haben.

Wir wollen nun sehr kurz laufende Optionen verkaufen. Sehr kurz bedeutet hier eine Woche Restlaufzeit. Warum so kurz? Weil wir maximal vom Zeitwertverfall profitieren möchten.

Zeitwertverfall Theta Option
Zeitwertverfall durch Theta einer Option

Zum Ende der Laufzeit nimmt der Zeitwertverfall durch Theta massiv zu, bis die Option, sofern diese aus dem Geld ist, wertlos verfällt.

Es bietet sich an zum Beispiel Freitagmorgen die Short Option(en) zu schreiben. Im optimalen Fall kann diese dann Mitte der Folgewoche wieder mit Gewinn geschlossen werden. Am kommenden Freitag schreiben wir dann die nächste Wochenoption(en) mit einer Woche Restlaufzeit usw. Wir machen das Ganze so lange, bis wir den Long Put finanziert haben.

Je nachdem, wie hoch die Prämie der verkauften Option ist, kann die Refinanzierung zwischen mehreren Wochen und mehreren Monaten dauern.

Welche Short Optionen kommen nun für das Schreiben infrage? Hier bieten sich nun zahlreiche Möglichkeiten an.

Möglichkeit 1: Covered Call

Die naheliegendste Möglichkeit ist vermutlich der Covered Call. Wir besitzen die Aktien des Basiswertes ja schon und schreiben, je nach Anzahl der Aktien im Depot einen oder mehrere Calls auf diesen Basiswert. Das Attraktive an dieser Option? Wir reduzieren damit die Margin für die Aktienposition! Dies bedeutet wir räumen mit dem Verkauf der Call Option Margin für weitere Trades frei.

Der Covered Call sollte nicht zu nah am Geld geschrieben werden. Ist dieser aber zu weit aus dem Geld, nimmst du kaum Prämie ein. Es gilt also einen guten Mittelweg zu finden.

Natürlich besteht im Covered Call das Risiko, dass die Aktien bei steigendem Kurs weg-gecalled werden und du die Aktien liefern musst. Daher ist es wichtig, die Call entsprechend zu rollen, sollte dieser ins Geld laufen. Auch eine Dividendenzahlung (Ex Dividend Day) kann zu verfrühtem ausüben der Position führen. Daher sollest du auch immer die anstehenden Termine der nächsten Woche im Blick haben.

Möglichkeit 2: Cash Secured Put

Die zweite Möglichkeit besteht darin, Cash-Secured Puts auf den Basiswert zu schreiben. Hierdurch wird Margin auf deinem Konto blockiert, damit du den Trade eingehen kannst. Weist die Aktie zurzeit zum Beispiel einen leichten Aufwärtstrend auf, so kann ein Cash Secured Put durchaus Sinn ergeben. Der beste Zeitpunkt einen Put zu schreiben ist dann eine kurze Korrektur der Aktie.

Auch hier gibt es ein Risiko. Läuft die Aktie ins Geld, besteht die Gefahr, dass dir weitere 100 Aktien pro Put angedient werden. Daher musst du entscheiden, ob du weitere Aktien im Depot haben möchtest, oder die Option rechtzeitig rollst. Gerade kurz vor Verfallstag ist das Risiko einer verfrühten Ausübung aufgrund des geringen Zeitwertes hoch.

Möglichkeit 3: Strangle

Natürlich kannst du auch einen Put und einen Call mit derselben Laufzeit auf denselben Basiswert verkaufen. Damit verdoppeltest du circa deine Prämieneinnahmen. Auch hier gilt: Läuft eine Options ins Geld ist Positionsmanagement angesagt.

Möglichkeit 4: Weitere Optionsstrategien

Des Weiteren gibt es natürlich die Möglichkeiten auch ein Vielfaches an Puts und Calls zu schreiben und zu kombinieren. Das Ganze bleibt dir überlassen und du musst sich damit wohlfühlen.

Zusammenfassung

LEAPS Put Optionen sind eine von vielen Möglichkeiten, sein Depot gegen Black-Swan Events und fallende Märkte abzusichern. Niemand weiß, wann es mal wieder so richtig an Börse kracht und die Märkte global um mehrere 10 % einbrechen. Daher sollte sich jeder bezüglich der Absicherung seines Depots Gedanken machen und Maßnahmen ergreifen, die in die jeweilige Strategie integrierbar ist. LEAPS Puts sind nicht günstig. Aber mit dem Verkauf von kurz laufenden Optionen lässt sich Cashflow Woche für Woche generieren und LEAPS damit finanzieren. Schreibst du lange genug kurz laufende Optionen, so hast du im Idealfall die perfekte Absicherung und keinen Cent dafür bezahlt.

Wie sicherst du dein Depot ab? Machst du dir überhaupt Gedanken dazu oder lässt du dein Depot einfach laufen? Ich freue mich auf deine Kommentare


Chris

Der Veroptionierer

Hi, ich bin Chris, der Veroptionierer und betreibe diese Seite.

Mit dem Verkauf von Optionen an der Börse generiere ich erfolgreich Cashflow und Einkommen.

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