Wie Aktienoptionen in Deutschland versteuert werden

Optionen besteuern

Das Steuerjahr 2018 steht kurz vor seinem Ende und spätestens jetzt ist es Zeit sich Gedanken zu machen, wie Aktienoptionen versteuert werden müssen. Gerade als Stillhalter und Verkäufer von Aktienoptionen solltest du  dich früh genug mit der steuerlichen Optimierung der Erträge beschäftigen.  Ansonsten kommt im Folgejahr ggf. die Böse Überraschung.

Eines vorweg. Ich bin keiner Steuerberater und dieser Beitrag ist nicht als Steuerberatung anzusehen. Um sicher zu gehen, sollte jeder den Steuerberater seines Vertrauens konsultieren, um rechtsverbindliche Beratungen und Aussagen zu erhalten.

Dennoch bin ich einer derjenigen, die die Steuererklärungen jedes Jahr komplett selber macht. Komischerweise macht mir das Spaß. Ich habe neben Einkommen aus nicht-selbstständiger Arbeit auch Einkommen aus selbstständiger Arbeit, sowie Immobilieneinkünfte und weitere Kapitaleinkünfte. Mit meinen Steuererklärungen bin ich bisher immer gut gefahren.

Dieser Beitrag handelt nun von der Versteuerung von Aktienoptionen mit dem Schwerpunkt auf dem Verkauf von Aktienoptionen, also Stillhaltergeschäfte. Ich werde hier keine Paragrafen aus den Steuergesetzen, sondern wie mehr auf die übergreifenden Reglementierungen eingehen.

Besteuerung von Optionsgeschäften

Bei der Besteuerung der Optionsgeschäfte wird zwischen gekauften Optionen (Long Position) und verkauften Optionen (Short Position) unterschieden. Dies ist grundsätzlich erstmal zu verstehen, da diese nicht mit einander verrechnet werden dürfen. Wir betrachten im Folgenden nur verkauften Optionen also Short Positionen, die uns Einkommen durch Stillhalten generieren.

Bevor wir gleich weiter ins Detail einsteigen, hier der grundsätzliche Rechnungsansatz, sofern ein Gewinn erzeugt wurde:

Zu versteuernder Gewinn =
(Stillhalterprämie – Provision) – (ggf. Aufwendungen für Optionsrückkaufe – Provision)

Wichtig ist: Jeder Optionstrade wird als einzelnes Geschäft gesehen und der zu versteuernde Gewinn aus Prämie, Provision und Aufwendungen muss jeweils getrennt von anderen Optionstrades gerechnet werden. Die Summe der Gewinne aus den einzelnen Trade-Abschlüssen führt dann zur gesamten Steuerlast.

Eröffnen der Short Position (Stillhaltergeschäft)

Grundprinzip

Verkaufen wir eine Option, so erhalten wir unmittelbar auf unserem Margin-Konto die Gutschrift der Verkaufsprämie. Steuerlich gesehen haben wir somit erstmal einen Gewinn erwirtschaftet. Dieser Punkt ist sehr kritisch und fordert gerade bei Optionen, die über das Steuerjahr hinweg gehalten werden Voraussicht. Werden zum Beispiel Prämien durch Optionsverkäufe im Dezember 2018 generiert, dessen Option erst im nächsten Jahr geschlossen bzw. zurück gekauft wird, so entsteht eine Steuerschuld für das Jahr 2018 in Höhe dieser Optionsprämie. Dies ist erstmal völlig unabhängig davon, ob die Option im Folgejahr mit Gewinn oder Verlust zurück gekauft wird. Wichtig hierbei ist, dass aber auch die Provision an den Broker für den Optionsverkauf steuermindernd wirkt. Somit ist die Höhe der Provision bzw. Kommission an den Broker gar nicht so entscheidend wie viele denken. 

Ein Beispiel

Da das Steuerwissen zum Halten von Optionen über das Steuerjahr hinweg essenziell für uns Optionsverkäufer ist, folgt nun ein kurzes Beispiel:

Wir verkaufen Anfang Dezember 2018 eine Option mit einer Laufzeit bis Ende Januar 2019 und nehmen hierfür eine Prämie von 500 EUR ein. Für den Verkauf der Option zahlen wir 5 EUR Provision. Die Position läuft erstmal gut an und wir liegen Ende 2018 20% im Gewinn und entschließen uns die Position bis ins Folgejahr mitzunehmen und nicht zu schließen. Anfang 2019 läuft die Position nun in den Verlust und wir müssen die Position schließen, da dies in unserer persönlichen Handelsstrategie so definiert ist. Da die 500 EUR bereits im Jahr 2018 eingenommen wurden, müssen diese, abzüglich der 5 EUR Provision, in der Steuererklärung von 2018 angegeben und versteuert werden. 

Fassen wir also kurz zusammen: Die Prämie muss in dem Jahr versteuert werden, in dem sie generiert wurde, abzüglich der Kommission/Provision an den Broker. Kaufen wir die Option mit Gewinn oder Verlust vor deren Ablauf zurück, so stehen noch Aufwendungen für den Rückkauf gegenüber. Dies schauen wir uns im Folgenden an.

Schließen der Short Position (Stillhaltergeschäft)

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie wir den Optionstrade wieder schließen können:

  1. Rückkauf der Option und somit vorzeitiges Schließen des Trades
  2. Option auslaufen lassen (Verfall)
  3. Option wird ausgeübt

Im dritten Fall wird die Option ausgeübt und wir erhalten pro Option jeweils 100 Aktien des Basiswertes zum Strikepreis. Dies ist eigentlich nur der Fall, wenn die Option ins Geld läuft und eine kürzere Laufzeit wie zwei Wochen aufweist, oder die Option so tief ins Geld läuft, dass der Optionskäufer nun schon vorzeitig ausübt. Hierauf gehen wir später noch ein.

Schauen wir uns nun die beiden Möglichkeiten im Detail an.

Vorzeitiger Rückkauf der Option

Dies ist vermutlich der häufigste Fall bei uns Stillhaltern. Wir kaufen die Option zurück, sofern noch genügend Restlaufzeit vorhanden ist und die Option mindestens 50% im Gewinn liegt.

Wie sieht nun hierbei die steuerliche Seite aus? Nun, wie bereits eingangs beschrieben, errechnet sich der steuerrelevante Gewinn aus der Differenz zwischen Prämie und den Aufwändungen für den Rückkauf, abzüglich der Brokerprovisionen:

Zu versteuernder Gewinn = 
(Stillhalterprämie – Provision) – (Aufwendungen für Optionsrückkaufe – Provision)

Gerade beim vorzeitigen Rückkauf solltest du darauf achten, dass möglichst der Verkauf, wie auch der Kauf im selben Steuerjahr erfolgt. Falls sich dies nicht vermeiden lässt, achte darauf, dass die Positionen aus dem Steuerjahr komplett geschlossen wurden, bevor du die Steuererklärung einreichen musst. Grundsätzlich gibt es zwar die Möglichkeit eine nachträgliche Änderung des Steuerbescheids zu beantragen, jedoch verkompliziert dies die Steuererklärung unter Umständen ungemein. Gewinne, die erst durch die Glattstellung im nächsten Jahr geschmälert und nicht über beide Steuerjahre verrechnet werden, können unter Umständen zu Vorauszahlungen an das Finanzamt führen. Natürlich nur, wenn die “Gewinne” bzw. Prämien entsprechend hoch ausfallen.

Für diejenigen, die die Optionsgeschäfte über den Jahreswechsel halten wollten, gibt es allerdings auch gute Nachrichten.

Es gibt bereits Gerichtsurteile dazu, wie mit der steuerlichen Behandlung von Stillhaltergeschäften umzugehen ist, wenn die Option erst im Folgejahr zurückgekauft und damit die Position geschlossen wurde. Der Bundesfinanzhof listet hier ein Urteil, bei dem folgendes zugunsten des Stillhalters entschieden wurde:

Veräußerung von Kaufoptionen; durch das sog. Glattstellungsgeschäft entstandene Werbungskosten sind dem Veranlagungszeitraum des Eröffnungsgeschäfts zuzuordnen

BFH  v. 18.08.2015 – I R 38/12

Mit Bezug auf dieses Urteil, sollte das Finanzamt also (hoffentlich) auch die gesamten Positionen über den Jahreswechsel inkl. der jeweiligen Aufwendungen für den Rückkauf akzeptieren.

Option auslaufen lassen (Verfall)

Verfällt die Option, so gibt es steuerlich nichts weiteres mehr zu berücksichtigen. Da die Aufwendungen für den Rückkauf nun weg fallen , sowie die Provision für den Rückkauf, ergibt sich folgende Steuerrechnung:

Zu versteuernder Gewinn = 
Stillhalterprämie – Provision

Option wird ausgeübt

Wird die Option vorzeitig ausgeübt, da die Option zum Beispiel im Geld ist, bekommen wir pro Option 100 Aktien des Basiswertes zum Strikepreis eingebucht. Steuerlich gesehen passiert hier erstmal nichts spannendes. Der Optionstrade für sich ist abgeschlossen und wir haben einen steuerlichen Gewinn wie bei der ausgelaufenen Option vorliegen.

Zu versteuernder Gewinn = 
Stillhalterprämie – Provision

Optionen und Aktien werden in Deutschland steuerlich vollständig getrennt behandelt. Auf die Versteuerung von Aktien möchte ich in diesem Beitrag nicht weiter eingehen. Wichtig ist nur zu verstehen, dass wir Gewinne und Verluste aus Aktien, sowie Gewinne und Verluste aus Optionen separat betrachten müssen.

Verluste von Optionen verrechnen

Zum Schluss stellt sich noch die Frage, wie wir mit Verlusten umgehen. Auch hier müssen wir die Verluste, die wir mit Optionen erzielen, separat von Aktienverluste betrachten.

Optionsverluste können wir also NICHT mit Verluste aus Aktien verrechnen. Wie weiter oben schon angemerkt, sollte es das Ziel sein, Optionstrades im jeweiligen Steuerjahr immer vollständig abzuschließen, um die Steuererklärung nicht unnötig zu verkomplizieren. 

Die Verluste aus dem Optionsgeschäft lassen sich mit den Gewinnen aus dem Optionsgeschäft verrechnen. So ist es also wichtig schon, dass wir uns schon früh im laufenden Steuerjahr Gedanken über die steuerliche Optimierung machen. 

Zusammenfassung

Steuern sind für viele ein leidiges Thema und gerade die Steuergesetzte in Deutschland verkomplizierten vieles. Zusammenfassend stelle ich hier nochmal die Kernaussagen meines Artikels aus Sicht des Optionsverkäufers bzw. Stillhalters dar:

  • Jeder Optionstrade ist für sich zu betrachten
  • Prämien sind in dem Jahr zu versteuern, in dem sie generiert wurden, abzüglich Provision
  • Wird die Option erst im Folgejahr geschlossen, sollte auf das Gerichtsurteil “BFH  v. 18.08.2015 – I R 38/12” verwiesen und somit das Optionsgeschäft auf das Steuerjahr bezogen werden, in dem die Position eröffnet wurde
  • Der zu versteuernde Gewinn wird ermittelt aus der Differenz zwischen Prämie, Aufwendungen für den Rückkauf und Povisionen. 
  • Aufwendungen für den Rückkauf entfallen beim Auslaufen oder durch Ausübung der Option
  • Aktien und Optionen sind steuerlich getrennt zu betrachten, sowohl was den Gewinn, als auch den Verlust angeht


3 Gedanken zu “Wie Aktienoptionen in Deutschland versteuert werden

  1. Hallo,
    vielen Dank für den tollen Blog-Post.
    Da ich neu im Options-Geschäft bin habe ich noch ein paar Fragen. Hoffentlich kann man mir helfen.

    2018 habe ich ein paar Optionen verkauft, die jedoch alle mit Verlust zurückgekauft wurden. Insgesamt bin ich 2018 also im Minus. Muss ich diese Verluste ebenfalls in einer Steuererklärung angeben? Oder anders gefragt: Müssen sowohl Gewinne als auch Verluste in der Steuererklärung angegeben werden?

    Ist das neue Jahr 2019 nun steuerlich wieder bei Null zu betrachten? Oder kann ich meine Verluste aus 2018 ins neue Jahr “mitnehmen” und quasi mit Minus beginnen?

    Vielen Dank für Antworten.
    Ricky

    1. Hallo Ricky,

      ich bin kein Steuerberater und meine Antwort ist somit auch nicht als Steuerberatung oder rechtsverbindlich zu sehen. Ich kann dir aber sagen, wie es nach meinem Wissen korrekt ist.

      In jedem Fall alle Verluste und Gewinne in der Steuererklärung angeben. Da deine Verluste die Gewinne übersteigen, baust du damit einen Verlustvortrag auf (hier: Verluste aus Kapitalvermögen ohne Aktien), den du im nächsten Jahr (also jetzt in 2019) mit deinen Gewinnen aus Kapitalvermögen ohne Aktien verrechnen (z.B. Optionshandel) kannst. Damit das Finanzamt deinen Verlustvortrag akzeptiert, musst du diese auch plausibel und nachweisbar angeben. Ich hoffe das hilft dir.

      Für eine rechtsverbindliche Aussage, aber immer einen Steuerberater konsultieren.

      Beste Grüße
      Chris

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