Was ist der Unterschied zwischen einer Option und einem Optionsschein?

Ich habe einen ähnlichen Artikel bereits Anfang 2019 schon einmal veröffentlicht. Möchtest du an der Börse langfristig Cashflow generieren, so ist es essenziell, den Unterschied zwischen der Option und dem Optionsschein zu kennen. Daher habe ich mich entschieden den Artikel nochmal zu überarbeiten und zu vervollständigen. Los gehts.

Als Börsenneuling stößt man immer wieder auf den Begriff Optionsschein. Banken bewerben Optionsscheine und versprechen dem Anleger so schnelle und vor allen Dingen einfache Gewinne.

Dabei darfst du aber Optionsscheine nicht mit Optionen verwechseln. Denn bei Optionsscheinen handelt es sich um ein Produkt, dass von den Banken erschaffen wurde und damit auf die “Zocker” an der Börse abzielt.

Im folgenden Beitrag möchte ich dir den Unterschied zwischen dem Optionsschein und den Optionen erläutern. Wenn du an der Börse professionell Monat für Monat Einkommen generieren möchtest, dann handele Optionen und KEINE Optionsscheine. Im Folgenden erfährst du nun die Unterschiede zwischen der Option und dem Optionsschein. 

Die Gemeinsamkeiten zwischen Optionsschein und Option

Starten wir zunächst einmal damit zu klären, was ein Optionsschein ist. 

Grundsätzlich handelt es sich sowohl bei der Option und auch bei dem Optionsschein um ein Derivat. 

Derivat (lateinisch derivare ‚ableiten‘)

Der Begriff Derivat stammt aus dem lateinischen und bedeutet “ableiten”. Somit handelt es sich erstmal bei Optionen und Optionsscheinen, um ein Handelsinstrument, was z.B. von einer Aktie abgeleitet ist und sich auf diese bezieht. Denn beide Derivate stellen zeitlich begrenzte Verträge zwischen zwei Parteien über die Lieferung bzw. Entgegennahme einer Aktie bzw. Anlage zu einem fest gelegten Preis. Siehe hierzu auch meinen Artikel zu der Frage “Was ist eine Aktienoption”.

Nun unterscheiden wir zwischen einem Call und einem Put:

  • Der Call gibt dem Käufer dieser Option das Recht einen bestimmten Basiswert (z.B. eine Aktie) innerhalb der Laufzeit der Option zu einem in der Option fest gelegten Preis zu kaufen. Die Gegenseite, also der Verkäufer des Calls, hat die Pflicht diesen Basiswert (z.B. eine Aktie) zu diesem Preis dann liefern.
  • Der Put gibt dem Käufer dieser Option das Recht einen bestimmten Basiswert (z.B. eine Aktie) innerhalb der Laufzeit der Option zu einem in der Option fest gelegten Preis zu verkaufen. Die Gegenseite, also der Verkäufer des Puts, hat die Pflicht diesen Basiswert (z.B. eine Aktie) zu diesem Preis entgegenzunehmen und zu bezahlen.

Im Prinzip war es das auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Kommen wir nun zu den wesentlichen Unterschieden, indem ich dir aufzeige, was der Optionsschein im Detail ist.

Die Eigenschaften eines Optionsscheins

Die Bank ist der Herausgeber

Optionsscheine werden von Banken konstruiert und werden somit auch immer nur von Banken verkauft. Kein Wunder also, dass Banken hierfür explizite Werbung schalten und mit schnellen Gewinnen locken. Denn diese Gewinnt mit Optionsscheinen langfristig und verdient viel Geld. Während Optionen von jedem Marktteilnehmer direkt an der Börse herausgegeben (“geschrieben”) werden können, erfolgt dies bei Optionsscheinen nur durch die Banken. Die Bank ist der Emittent des Optionsscheins. Das wiederum bringt uns nun zu dem zweiten wesentlichen Unterschied. 

Die Bank ist IMMER der Verkäufer des Optionsscheins

Bei Optionsscheinen können wir immer nur die Seite des Käufers (Long) und nicht die des Verkäufers (Short) einnehmen. Wer an der Börse ein regelmäßiges Einkommen generieren möchte, der muss sich auf der Verkäuferseite platzieren. Denn dort erlangst du durch den Zeitwertverfall des Optionsscheins einen riesigen statistischen Vorteil und gewinnst so langfristig. Da die Bank bei Optionsscheinen immer der Verkäufer ist, Gewinnt diese auch auf langer Sicht immer. Siehe hierzu auch die Funktionsweise eines Kasinos mit seinem minimal größeren Gewinnvorteil gegenüber der Spieler. 

Aber es besteht noch ein zweiter Nachteil, wenn wir von der Bank Optionsscheine kaufen. Nämlich das Emittentenrisiko.

Es besteht ein Emittentenrisiko 

Was passiert, wenn der Herausgeber des Optionsscheins in die Insolvenz geht?

Hat die Bank dir einen Optionsschein verkauft, so muss diese dir auch die Gewinne auszahlen und dafür haften. Willst du den Optionsschein loswerden, so kannst du ihn wieder an die Bank verkaufen, die diesen herausgegeben hat. Aber was passiert, wenn die Bank in der Zwischenzeit pleite geht? Dann nämlich bleibst gehen deine Einlagen unter Umständen in der Insolvenzmasse unter und du siehst keinen Cent mehr.

Ganz anders sind das bei den Börsen gehandelten Optionen aus. Die Herausgeber der Option sind üblicherweise Privatpersonen oder Institutionelle. Beim Schreiben einer Option hinterlegst du dem Broker eine Sicherheitsleistung und Form von Margin. Reicht die Margin bei einer laufenden Position nicht aus, wird die verkaufte Option automatisch durch den Broker zurückgekauft, sodass kein Emittentenrisiko bei Optionen besteht.

Optionsscheine sind nicht standardisiert

Optionsscheine sind gegenüber der an den Börsen gehandelten Optionen nicht standardisiert. Während eine Aktienoption sich z.B. immer auf 100 Basiswerte bezieht, ist die Bank hier quasi frei in ihrer Produktgestaltung. Hier solltest du dann nämlich das Kleingedruckte im Vertrag ganz genau zu lesen, sodass du keine böse Überraschungen erlebst.

Keine Preisbildung durch den Markt

Da Optionsscheine nicht an der Börse gehandelt werden, gibt es auch keine faire Preisbildung. Während die aktuellen Preise von Optionen an den Optionsbörsen direkt durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, bestimmt der Emittent bei Optionsscheinen den Preis. Wenn der Herausgeber selber den Preis bestimmen kann, sieht man klar, wer hier von profitiert.

Nachdem du jetzt einen Eindruck von Optionsscheinen gewonnen hast, kommen wir nun zu dem eigentlich interessanten Teil. Nämlich zu der Frage: Was ist eine Option, mit der man unter anderem ein regelmäßiges Einkommen an der Börse generieren kann?

Die Eigenschaften einer Option

Einige Punkte wirst du nun wieder erkennen, aber auch wesentliche Unterschiede feststellen.

Der Vertrag zwischen zwei Parteien

Eine Option auch ein Vertrag zwischen zwei Parteien. Der erste große Unterschied ist aber, dass dieser an der Börse gehandelt wird.

Bei der Option unterscheiden wir auch wieder zwischen zwei Optionstypen. Die Put- und die Call-Option.

Bei einer Call-Option hat der Käufer dieser Option das Recht innerhalb der Optionslaufzeit, einen fest gelegten Basiswert zu einem festgelegten Kurs zu kaufen. Der Verkäufer dieser Option hat dann die Pflicht, den Basiswert zu diesem festgelegten Kurs zu verkaufen. Da die Option eine endliche Laufzeit hat, erlischt das Recht zum Ende der Laufzeit.

Der Käufer zahlt dem Verkäufer der Option hierfür eine festgelegte Prämie, um sich dieses Recht zu sichern.

Bei einer Put-Option hat der Käufer dieser Option das Recht innerhalb der Optionslaufzeit, einen fest gelegten Basiswert zu einem festgelegten Kurs zu verkaufen. Der Verkäufer dieser Option hat dann die Pflicht, den Basiswert zu diesem festgelegten Kurs zu kaufen. Da auch diese Option eine endliche Laufzeit hat, erlischt das Recht zum Ende der Laufzeit.

Auch hier zahlt der Käufer dem Verkäufer der Option hierfür eine festgelegte Prämie, um sich dieses Recht zu sichern.

Freier Handel an der Optionsbörse

Da Optionen an Optionsbörse frei gehandelt werden, wird der Preis der Option am Markt gebildet. Somit hast du jederzeit die Möglichkeit, eine gekaufte Option zu verkaufen, oder eine verkaufte Option zurückzukaufen. Natürlich ist eine entsprechende Transaktion nur möglich, wenn am Markt eine entsprechende Liquidität dieser Option vorhanden ist. Das heißt Angebot bzw. Nachfrage muss vorhanden sein.

Während der Öffnungszeiten der Börsen kannst du also jederzeit Optionen handeln. 

Du kannst Käufer oder Verkäufer der Option sein

Bei Optionen hast du nun also die Möglichkeit, dich als Käufer oder Verkäufer zu platzieren. Sollte dein Ziel ein regelmäßiges Einkommen an der Börse sein, so kannst du Woche für Woche oder Monat für Monat Optionen verkaufen (“Schreiben”) und so Optionsprämien einnehmen. Du stehst damit auf der Seite der Marktteilnehmer, die einen statistischen Vorteil gegenüber der Optionskäufer haben und langfristig gewinnen. Du bist dann sozusagen das Kasino, dass langfristig immer Geld verdient.

Standardisierung

Börsen gehandelte Optionen sind standardisiert. So bezieht sich Aktienoption auf 100 Stück des Basiswertes. Infolgedessen hat der Käufer der Option, je nach Optionstyp (Put oder Call-Option), das Recht 100 Aktien des Basiswertes zu kaufen oder zu verkaufen.

Egal, ob ich also Aktienoptionen, Futureoptionen oder Optionen auf ETFs trade. Aufgrund der Standardisierung weiß ich immer, was ich handele und kann mich auf diesen Standard verlassen.

Unterschiedlichste Optionsstrategien umsetzbar 

Zu guter letzt noch ein weitere nicht zu verachtendes Markmal börsengehandelter Optionen:

Aus einzelnen Put und Call Optionen kannst du dir eine fast endlose Anzahl an Optionsstrategien zusammenbauen. Du kannst so also davon profitieren, dass Aktien steigen, seitwärtslaufen oder fallen. Dass die Volatilität zunimmt oder abnimmt oder dass ein bestimmter Kurs zwischen einem Kursbereich bleibt. Somit sind dir kaum Grenzen gesetzt und es lassen sich Strategien zusammen stellen, die zu deinem Charakter und zu deiner Mentalität passen.

Fazit: Optionen oder Optionsscheine

Zum Schluss noch eine kurze Zusammenfassung und gegenüberstellung der Option und des Optionssscheins.

  Optionsschein Option
Herausgeber / Emittent Bank Jeder Marktteilnehmer
Emittentenrisiko Ja, im Insolvenzfall der Bank Nein, abgesichert durch Margin
Handelsplatz nicht vorhanden Optionsbörsen
Preisbildung durch die Bank am Markt
Standardisierung keine Eine Aktienoption bezieht sich auf 100 Aktien

Ich hoffe ich konnte dir die wesentlichen Unterschiede beider Anlageformen deutlich machen und du verwechselt nun Optionen nicht mehr mit Optionsscheinen.

Unter Berücksichtigung der oben genannten Unterschiede ist klar, wer von dem Produkt “Optionsschein” profitiert. In den Medien und Werbeunterlagen von Banken wirst du etwas zu Optionen finden. Denn an Optionen verdienen die Banken kein Geld. 

Ich möchte dir hier ans Herz legen dich mit Optionen und dem Verkauf dieser zu beschäftigten. Mit diesem Investmentvehikel hast du eine möglichkeit mit wenig regelmäßigem Zeitaufwand, ortsunabhängig ein regelmäßiges Einkommen zu generieren.

Chris
 

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