So bestimmst du die optimale Positionsgröße beim Optionsverkauf

Bei diesem Artikel handelt es sich um die Fortsetzung und den letzten Artikel dieser dreiteiligen Miniserie. Im ersten Artikel ging es darum, wieso die Bestimmung der Positionsgröße so wichtig ist, bevor du einen neue Trade eröffnest. Im zweiten Teil habe ich dir drei Möglichkeiten vorgestellt, wie du in Abhängigkeit von deinem verfügbaren Kapital, die optimale Positionsgröße bestimmen kannst. Abschließend zeige ich dir nun, wie du die Positionsgröße bei Optionstrades in der Praxis bestimmst. Dabei schauen wir uns zuerst das Vorgehen bei Aktientrades an und übertragen dieses Vorgehen dann auf den Verkauf von Optionen.

Wie du die Positionsgröße beim Aktientrade bestimmst

Der Ablauf ist eigentlich immer derselbe: Zunächst bestimmst du den absoluten Betrag (in der entsprechenden Währung), den du maximal riskieren möchtest. Dann bestimmt du deinen Einstiegskurs und den Kurs, bei dem du den Trade schließt, sollte dieser in die falsche Richtung laufen (Stop-Loss). Aus der Differenz errechnest du dann die maximale Positionsgröße. Schauen wir uns hierzu nun ein Praxisbeispiel an. Wir treffen für das Beispiel folgende Prämissen: Kontogröße: 10.000 EUR Maximales Risiko pro Position: 1 % (also ein fixer Prozentwert pro Trade bezogen auf die Kontogröße) Das maximale absolute Risiko beträgt somit 100 EUR. Kaufkurs:   50 EUR Stop-Loss: 45 EUR Somit ergibt pro Aktie ein maximales Risiko von 5 EUR. Da wir maximal 100 EUR riskieren, könnten wir nun 20 Aktien kaufen (100 EUR / 5 EUR = 20).

Die Positionsgröße bei Optionstrades bestimmen

Beim Verkauf von Optionen ist die exakte Bestimmung der Positionsgröße etwas komplexer. Generell bevorzuge ich es, beim Verkauf von Optionen, keinen Stop-Loss als Verlustbegrenzung zu setzen. Weil wir sonst zu häufig ausgestoppt werden, sobald die Volatilität mal kurz ansteigt. Daher müssen wir zur Bestimmung der Positionsgröße zwischen Optionsstrategien mit begrenztem Risiko und Strategien mit theoretischem unbegrenztem Risiko unterscheiden.

Optionsstrategien mit begrenztem Risiko

Bei Optionsstrategien mit begrenztem Risiko können wir nur einen fixen Betrag verlieren. Wir deckeln das Risiko, indem wir zusätzlich zu einer verkauften Option eine weitere kaufen. So entsteht dann z.B. ein vertikaler Spread bestehend aus einem Short Put und einem Long Put. Hierzu ein kurzes Beispiel. Der Kurs eines Basiswertes liegt aktuell bei 105 USD. Wie verkaufen nun einen Put mit einem Strike von 100 EUR. Gleichzeitig kaufen wir einen Put mit einem Strike von 95 EUR. Mit dem verkauften Put haben wir die Pflicht 100 Basiswerte zum Kurs von 100 USD zu übernehmen, sollte der Käufer des Puts von seinem Recht Gebrauch machen. Gleichzeitig erkaufen wir uns aber auch das Recht mit unserem gekauften Put 100 Basiswerte zum Kurs von 95 USD abzugeben. Den maximalen Betrag, den wir nun verlieren können, ergibt sich aus der Differenz beider Strike. Diese Beträgt hier 5 USD. Da sich eine Aktienoption immer auf 100 Basiswerte bezieht, können wir also maximal 500 USD verlieren. Hieraus können wir nun wieder die Positionsgröße errechnen. Angenommen wir wollen 500 USD pro Position riskieren, so setzen wir einen dieser Spreads auf. Wollen wir 1000 USD riskieren, traden wir zwei Spreads und so weiter. Solltest du weniger als 500 USD riskieren wollen, kannst du z.B. den Abstand zwischen der Long und der Short Option verkleinern und somit das maximale Risiko für dich anpassen.

Optionsstrategien mit unbegrenztem Risiko

Bei Optionsstrategien mit (theoretisch) unbegrenztem Risiko besteht immer das Risiko, dass wir eine Option nicht schnell genug zurückkaufen können. Kurssprünge im Basiswert können dazu führen, dass der maximale Verlust überschritten wird und wir damit mehr Verlust realisieren müssen, wie ursprünglich geplant. Daher bezeichnet man diese Strategien ja auch mit “unbegrenztem Risiko. Auch ein Stop-Loss würde bei Kurssprüngen nicht helfen.  Zu diesen Strategien mit (theoretisch) unbegrenztem Risiko zählen unter anderem die kapitalgedeckten Puts oder Calls (Cash Secured Puts/Calls) oder auch Strangles. In der Praxis müssen wir dies also im Hinterkopf haben, sodass es durchaus auch zu höheren Verlusten kommen kann, als man sich als Verlustbegrenzung gesetzt hat. Zum einen solltest du also die Optionstrades mit unbegrenztem Risiko genau im Auge behalten. Dazu kann es auch gehören Alarme in die Tradingplattform einzustellen, die dich bei über- oder unterschreiten eines Kurses benachrichtigen. Zum anderen bietet es sich generell an hier Deltas zu handeln, die weit genug aus dem Geld sind. Eine Möglichkeit die Positionsgröße zu bestimmen sähe also wie das folgende Beispiel aus: Du möchtest maximal 400 USD pro Trade riskieren. Die Prämieneinahme für einen Cash Secured Put beträgt für diese Option 100 USD.  Gleichzeitig entscheidest du dich dazu, die Option bei einem Verlust von 200 % zurückzukaufen. Der maximale (theoretische) Verlust beträgt also  200 USD pro Option. Da du in Summe 400 USD pro Position riskierst, kannst du zwei Optionstrades eröffnen.

Eine weitere Alternative

Eine andere Möglichkeit die Positionsgröße zu bestimmen ergibt sich aus der Buying Power Reduction (Marginanforderung). Sobald du eine Option verkaufst berechnet dein Broker üblicherweise das Risiko anhand einer Kursbewegung um zwei Standardabweichungen. Die Jungs von Tastytrade haben hierzu bereits 2016 eine Studie aufgesetzt, wie häufig diese 2 SD Bewegung zum Ende der Laufzeit gerissen wird. Die Ergebnisse zeigen, dass Strangles auf ETFs innerhalb der Laufzeit nur in 0,2 % der Fälle außerhalb der 2SD Bewegung und bei Aktien ca. 1 % außerhalb der 2 SD Bewegung liegen. Eine zweite Möglichkeit für die Bestimmung der Positionsgröße wäre es also die Buying Power Reduction (Marginanforderung) als Risikoparameter und maximale Positionsgröße des Trades heranzuziehen. Wer sich näher hiermit beschäftigen möchte, findet weitere Details hierzu auf der Seite von Tastytrade hier.
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Chris
 

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