Berechnung der Marginanforderung bei Aktienoptionen

Marginanforderung

Im letzten Artikel zum Thema Margin haben wir uns damit beschäftigt, was Margin im Zusammenhang mit Aktien- und Optionstrading überhaupt ist. Anschließend haben wir die Vorteile und Nachteile eines Marginkontos angeschaut und kurz die Begriffe Ersteinschussmargin, Mindesteinschussmargin und Reg-T Margin erläutert.

Im folgenden Artikelschauen wir uns nun an, wie der Broker die Marginanforderungen von Aktien- und Optionspositionen berechnet und welche gesetzlichen Vorgaben bestehen. Wie schauen uns speziell die Marginanforderungen für die auf meiner Webseite beschriebenen Strategien an. Dazu gibt es jeweils ein Berechnungsbeispiel. Los gehts!

Gesetzliche Vorgaben zum Handel auf Margin

Wie bereits in meinem letzten Artikel “Das Margin Konto” gezeigt, stellt die Margin eine Sicherheit für den Broker dar. Handeln wir auf Margin, so können wir mit dieser Sicherheitsleistung, die nur aus einem Teil der Gesamtposition besteht, die selben Geschäfte tätigen, wie als wenn das gesamte Kapital für einen Trade aufbringen würden. Damit können die Renditen am Ende deutlich größer werden, als wenn man ohne Marginkonto handelt.

Doch wer bestimmt überhaupt, wie groß die Sicherheitsleistung (also Margin) mindestens sein muss. Im Worst Case bleibt der Broker nämlich auf den Verlusten sitzen, die mit Margin getätigt wurden.

Hierzu haben das Federal Reserve Board, die NYSE (New York Stock Exchange) und FINRA (Financial Industry Regulatory Authority) regeln erlassen, die die Mindestmargin bestimmen, die ein Broker von seinen Anlegern einfordern muss. Ob der Broker letztendlich mehr Margin fordert, bleibt ihm selber überlassen. Er muss jedoch die gesetzliche Mindestmargin einfordern.

Entsprechend der Regeln nach der FINRA und der NYSE muss der Anleger mindestens 50% des Preises des Wertpapiers als Margin einschießen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Anleger eine Anlage bis maximal 50% beleihen dürfen. Dies ist in der “Regulation T” (Reg T) der Federal Reserve nieder geschrieben. In Prozent ausgedrückt wird diese Margin im Brokeraccount auch als Reg-T-Margin gekennzeichnet.

Beim Kauf des Wertpapiers wird zunächst üblicherweise eine Initial-Margin bzw. Ersteinschussmargin gefordert. Ist das Konto des Anleger nicht ausreichend gedeckt, wird der Kauf bzw. Verkauf des Wertpapiers abgelehnt.

Nach dem Kauf bzw. Verkauf auf Margin, muss der Anleger nun kontinuierlich einen Kapitalbetrag für die Margin auf seinem Konto vorhalten, um die gehandelte Position beizubehalten.

Berechnung der Marginanforderungen

Vorab sei gesagt, dass die Berechnungen unter Umständen bei einigen Brokers anders ausfallen, wie hier beschrieben. Gerade wenn der Broker höhere Margins als die gesetzlichen Mindestanforderungen fordert, kann dies der Fall sein. Ich bin weiterhin glücklicher Kunde beim Lynx Broker, für den diese Marginberechnungen passen.

Der Fokus bei den Beispielen liegt auf Aktien und Aktienoptionen. Als Optionsverkäufer sollte jeder verstehen, wieso zum Beispiel die Margin einer verkauften Put-Option, so ist wie sie ist. Je nach Strategie eines Optionsverkäufers wird auch mal die eine oder andere Aktie eingebuchtet. Auch hier sollte jeder Trader immer die Marginanforderungen im Hinterkopf haben, damit es nicht am Ende zu einem Margin Call kommt. Aber mehr dazu später.

Schauen wir uns nun die Berechnungen der Marginanforderungen unterschiedlicher Anlageklassen an. Zunächst gehe ich auf die Berechnung ein. Danach folgt jeweils ein Beispiel mit Zahlen.

Wie bereits gesagt liegt der Fokus in diesem Beitrag auf dem Thema Aktienoptionen.

Daher werden wir in diesem Beitrag erstmal nur die Berechnungen und Typen anschauen, die für Optionsverkäufer wichtigsten sind, die eine vergleichbare Strategie wie meine nutzen. Hierzu gehören: Longposition einer Aktie (Kauf von Aktien), der Verkauf eines Cash gesicherten Puts (Short Put), sowie der Covered Call.

Marginanforderung eines Short-Put (Aktien)

Die Berechnung der Marginanforderungen eines Short-Puts

Marginberechnung eines Short-Put
(Quelle: https://www.interactivebrokers.com/de/index.php?f=6438&p=opt)

Der Mindesteinschuss ist identisch mit dem Ersteinschuss und mit der Reg-T-Margin. Als Berechnungsgrundlage dient immer der Put-Preis, der zu dem Maximum des zweiten Teils der oben genannten Formel addiert wird. 

Beispiel zur Marginanforderung eines Short-Put

Schauen wir uns ein Beispiel hierzu an. Wir wollen einen Put zu 1.00 USD verkaufen auf eine Aktie mit einem aktuellen Kurs von 100 USD. Wir wählen einen Put mit einem Strikepreis von 95 USD. Dann sieht die Berechnung wie folgt aus:

Reg-T-Margin = 100 USD + (0,2 x 100 x 100 USD – 5 USD * 100) = 1600 USD.

In unserem Account werden also aktuell 1600 USD für den Kauf und die offene verkaufte Put-Option als Margin blockiert.

Marginanforderung einer Aktie Long

Als Optionsverkäufer, verkaufen wir Put-Optionen in der Regel mit dem Ziel, dass diese am Ende der Laufzeit wertlos verfallen. Doch was passiert, wenn die Option ins Geld läuft?

Liegt eine verkaufte Put-Option im Geld, kann diese bei Aktienoptionen amerikanischen Stils jederzeit ausgeübt werden. Dies führt dann dazu, dass wir bei einer ausgeübten Option 100 Aktien des Basiswertes mehr im Depot haben. Den Betrag für die Margin sollte man vorhalten, sonst wird die Position unter Umständen Zwangsliquidiert (Margin Call).

Die Berechnung der Marginanforderung Aktie Long

Die Marginanforderungen lautet dann wie folgt:

Marginberechnung Long-Position 
(Quelle: https://www.interactivebrokers.com/de/index.php?f=6438&p=stk)

Für Daytrader, die Aktien nur untertägig handeln, reicht also ein Viertel des Aktienwertes im Cashbestand. Wollen wir allerdings die Aktien nicht sofort wieder (mit Verlust) verkaufen, sollten wir immer mindestens 50% des Aktienwertes im Depot als Cash vorhalten (Aktienpreis x 100 x 0,5). Damit sind wir dann auf der sicheren Seite.

Nun noch kurz ein triviales Beispiel, falls wir die Aktien über Nacht halten wollen.

Beispiel zur Marginberechnung von Aktien Long

Wir bekommen eine Aktie zum Kurs von 100 USD pro Stück eingebucht. Da eine Put-Option immer für 100 Aktien gilt, lautet die Marginberechnung wie folgt:

Reg-T-Margin = 0,5 x 100 x 100 USD = 5.000 USD

Wir müssen also 5.000 EUR aufwenden, um diese Position mit dem aktuellen Wert von 10.000 EUR im Depot zu führen.

Marginanforderung einer Covered Call Aktienoption

Läuft eine Put-Option ins Geld, kann diese bei Optionen des amerikanischen Typs nun theoretisch jederzeit ausgeübt werden. Dies führt dann dazu, dass wir 100 Aktien des Basiswertes ins Depot gebucht bekommen und die Margin entsprechend der Marginanfordeurngen zur Aktie Long nun blockiert wird.

Um weiterhin Cashflow zu generieren, können wir Call-Optionen verkaufen. Da wir schon 100 Aktien des Basiswertes besitzen, handelt es sich hierbei nicht um nackte Optionen, sondern um gedeckte Optionen (covered).

Das Schöne hierbei ist, dass wir kaum Margin aufwenden müssen, um eine Call-Option aufzusetzen. Schauen wir uns hierzu die Berechnung an.

Die Berechnung der Marginanforderung eines Covered Calls

Die Berechnung der Margin läuft wie folgt:

Marginberechnung eines Covered-Calls
(Quelle: https://www.interactivebrokers.com/de/index.php?f=6438&p=opt)

Auch hier ist der Ersteinschuss identisch mit der Reg-T-Margin, sowie mit dem Mindesteinschuss. Die Marginanforderung erhöht sich also nicht durch das Halten über Nacht (natürlich aber, wenn sich der Optionspreis bzw. der Preis des Basiswerts ändern).

Beispiel zur Marginberechnung eines Covered Calls

Angenommen wir besitzen bereits 100 Aktien zum Preis von aktuell 100 USD. Wir haben eine Call-Option zum Preis von 100 USD geschrieben (verkauft) und die Option liegt 5 USD aus dem Geld. 

Da wir die Aktien ja bereits besitzen und hierfür schon Margin hinterlegt haben, verändert sich die Margin nur um die Prämie, die wir mit der Option einnehmen.

Reg-T-Margin = Eingenommen Optionsprämien = 100 USD.

Das ist das Schöne an Covered Calls. Man braucht so gut wie keine weiteren Sicherheiten in Form von Margin hinterlegen.

Fazit

Jeder Optionstrader sollte sich damit beschaffen, wie sein Broker die Margin berechnet. In dem Beitrag habe ich die rechtlichen Mindestanforderungen und die Marginberechnungen von Interactive Brokers bzw. Lynx Broker dar gestellt. Soweit mir das bekannt ist, verwenden alle Ableger von Interactive Brokers die beschriebene Marginberechnung.

Ein Trader muss die Margin nicht jedes mal selber berechnen, denn das übernimmt die Tradingplattform für einen. Jedoch ist es von Vorteil, wenn man die Berechnungsmechanismen im Hintergrund versteht und auch so in einem fallenden Markt genügend Cashreserven im Depot hat.

In einem weiteren Artikel gehe ich darauf ein, was ein Margin Call ist und was man tun sollte, um einen Margin Call zu vermeiden.

Schreibe einen Kommentar

Ich akzeptiere