Meine tägliche Tradingroutine (Morgenroutine)

Morgenroutine

Bevor ich überhaupt an der Börse handele, führe ich vor jedem Handelstag meine Tradingroutine durch. Dabei handelt es sich um nichts anderes als einen fest etablierten Ablauf, um mein Handeln an der Börse vorzubereiten. Das schöne daran ist der fast automatisierte, unbewusste Ablauf, durch den sich der täglich Aufwand minimieren lässt und in Folge dessen auch Fehler vermeiden lassen.

Eine tägliche Routine beim Trading sollte jeder für sich selbst entwickeln, denn jeder hat eigene Präferenzen. Mit der Tradingroutine muss sich jeder selbst wohl fühlen.

Im folgenden stelle ich meine persönliche Tradingroutine vor, so dass du einen Eindruck von meinem alltäglichen Doing im Zusammenhang mit meinen Optionstrades bekommst.

Die meistens Teile der Routine können entweder nach oder vor Börseneröffnung durchgeführt werden. Ich rate auch jedem dazu, die vorbereitende Arbeit außerhalb der Handelszeiten durchzuführen. Der Grund ist ganz einfach. Außerhalb der Handelszeiten hast du den Kopf frei und hast nicht den Druck des Markts im Hinterkopf. So passieren weniger Fehler und du kannst dich ganz auf die Vorbereitung konzentrieren.

Fangen wir also an.

Beurteilung der aktuellen Stimmung am Markt

Bevor ich mich meinen aktuellen Position oder gar neuen Trades widme, schaue ich mir zunächst die aktuelle Stimmung am Markt an. Diesen Schritt führe ich entweder nach Börsenschluss oder vor Börseneröffnung durch. Die Uhrzeiten sind logischer Weise abhängig von der jeweiligen Börse. Da ich zur Zeit sowohl an den nordamerikanischen Börsen, wie auch an den deutschen Börsen handele, bietet sich für mich der Morgen vor 8:30 Uhr an. Desweiteren bietet eine Vorbereitung am Morgen den Vorteil, dass die Nachrichten relativ frisch sind.

Ein Blick auf den Market Breadth Monitor

Als erstes werfe ich einen Blick auf meinen Market Breadth Monitor. Dabei bekomme ich eine Indikation über die aktuelle Stimmung am Markt. Es gibt viele Verfechter in der Youtube-Optionsszene, die gegen einen automatisierten Market Monitor sind. Die begründet lautet hier, dass man nicht nah genug am Markt sei. Ich für meinen Teil komme so sehr gut klar und bin froh, dass ich jeden Tag die Zeit Parameter für Parameter selber einzutragen.

Market Breadth Monitor Online - Der Veroptionierer
Market Breadth Monitor Online

Wer mehr über meinen Market Breadth Monitor nachlesen möchte, findet eine detaillierte Beschreibung hier.

Wo befinden sich die Indizes?

Im nächsten Schritt folgt ein Blick auf die Indizes. Hierfür habe ich mir auf der Webseite www.tradingview.com eine entsprechende Watchlist mit den großen Indizes angelegt. Hierzu zählen im Wesentlichen: Dow Jones, S&P500, Nasdaq und DAX. Dies Liste ließe sich natürlich, abhängig von den Ländern in denen du aktiv handelst, erweitern.

Die Charts der Indizes prüfe ich im Wesentlichen auf den Trend, besondere Ausreißer beim Volumen, Chartformationen und Umkehrformationen.

Newscheck

Last but not least werfe ich noch einen Blick auf die Titelzeilen der Börsennews. Gibt es hier etwas, was zu erhöhter Volatilität in den nächsten Tagen führen könnte? Steht eine Zinserhöhung der FED oder EZB bevor? Dies ließe mich dann vorsichtiger werden.

Positionsmanagement – Bestehende Positionen

Nachdem ich die sowohl die Stimmung am Markt als auch die Marktrichtung der Indizes beurteilt habe, schaue ich mir meine offenen Positionen detailliert an.

Hierfür führe ich bei Tradingview wieder eine entsprechende Watchlist, die ich der Reihe nach durch gehe. Dabei prüfe ich den Chart auf meine Kriterien zur vorzeigen Schließung der Position (Verlustbegrenzung). Ich betrachte sowohl das Chartbild mit den Chartformationen und das Volumen, wie auch Indikatoren (z.B. Gleitende Durchschnitte). Außerdem stelle ich mir die Frage: Würde ich rückblickend diese Position wieder eröffnen, wenn ich sie noch nicht eröffnet hätte?

Falls entweder meine Ausstiegskriterien erfüllt sind oder ich die Frage oben (Würde ich rückblickend diese Position wieder eröffnen, wenn ich sie noch nicht eröffnet hätte?) mit “nein” beantworten kann, ist es nun Zeit die Position zu schließen.

Diese Aktion kommt nun auf meine Todo-Liste, die ich nach Markteröffnung abarbeite, denn ich handele erst aktiv, wenn die Börsen geöffnet haben.

Bei den Positionen, bei denen keine Positionsschließung ansteht, überfliege ich die News, um keine kursbeeinflussenden, öffentlich relevanten Themen zu verpassen.

Neue Tradingmöglichkeiten finden

Nachdem ich mir jetzt einen Überblick über die Stimmung am Markt verschafft und meine aktuellen Positionen gemanagt habe, begebe ich mich auf die Suche nach neuen profitablen Handelsmöglichkeiten. Im Fokus steht, wie immer auf www.der-veroptionierer.de, der regelmäßige Cashflow mit Aktienoptionen. Dies bedeutet im Wesentlichen:

Der Verkauf von Put Optionen und das Einnehmen der Prämie (Stillhaltergeschäfte).

Nutzen von strategiebezogenen Watchlisten

Die Aktienauswahl hierfür ist von der Strategie abhängig. Im Allgemeinen sieht meine Routine hier wie folgt aus:

Ich gehe meine Watchlisten durch, die ich über die letzten Tage und Wochen mit Aktien gefüttert haben. Diese Aktien passen jeweils immer zu meiner Strategie. Handele ich zum Beispiel meine erste Cashflow Strategie auf Dividendenaktien, so betrachtet ich eine Watchlist speziell mit Dividendenwerten. Diese Dividendenwerte weisen dann gute fundamentale Kennzahlen auf. Die fundamentalen Daten liefern die Kanditen für die Watchlist, während ich für den Einstieg die technische Analyse des Charts nutze.

Für meine zweite Strategie pflege ich eine andere Watchlist. Hier finden sich Aktien wieder, die Optionen mit hoher impliziter Volatilität aufweisen. Als Beispiel sei hier Netflix (NFLX), Tesla (TSLA) oder auch Wirecard (WDI) genannt. Hier handele ich hauptsächlich nach technischer Analyse des Charts.

Die Werte auf den Watchlisten gehe ich wieder einzeln durch und betrachte die Charts. Ist meine Einstiegsbedingungen erfüllt, prüfe ich, ob in den nächsten 4-6 Wochen Earnings vorliegen. In meinen aktuellen Strategien handele ich keine Earnings und schreibe somit keine Puts, die in die Earnings herein fallen.

Chartanalyse mit Tradingview

Früher habe ich zur Chartanalyse TC2000 oder ProRealTime genutzt. Mittlerweile bin ich aber komplett auf Tradingview umgestiegen. Die wesentlichen Vorteile bei Tradingview sehe ich in der reinen Weblösung. Somit muss ich keine Software installieren und kann die Chartanalyse von jedem Computer durchführen. Des Weiteren bietet Tradingview entsprechende iOS Apps für iPhone und iPad, so dass jederzeit eine Chartanalyse mit mobilen Geräten möglich ist.

Aber zurück zu den Earnings. Im Chart von Tradingview werden Earnings und Ex-Dividend Daten direkt angezeigt. So vermeide ich in über Earnings Puts zu schreiben.

Tradingview Earnings
Beispiel Earnings im Chart (Tradingview)

Nachdem ich nun eine passende Aktien gefunden habe, lege ich den Strike Preis, sowie die Positionsgröße fest und die neue Aufgabe auf meine To-Do Liste: Das Eröffnen dieser Position zum festgelegten Strike in der definierten Positionsgröße. Auch hier erfolgt die eigentlich Umsetzung dann während der regulären Handelszeiten.

Die Handelsvorbereitungen sind damit abgeschlossen.

Umsetzung folgt nach Markteröffnung

Während der regulären Handelszeiten folgt das eigentlich abarbeiten der To-Do Liste. Hier muss ich so gut wie keine Entscheidungen mehr treffen, da dies bereits stressfrei vor Markteröffnung erfolgt ist. Ich kann mich mit voller Konzentration diesen Aufgaben widmen.

Eine Positionseröffnung stelle ich grundsätzlich als Limit-Order ein. So vermeide ich, dass mein Put zu einem ungünstigen Preis verkauft wird. Wird die Limit-Order nun ausgeführt, platziere ich nun unmittelbar eine Kauforder, um die Position bei 25% Restwert zu schließen. So brauche ich mich nur noch um mögliche Verlustbegrenzung, aber nicht um die Gewinnmitnahme zu kümmern.

Zusammenfassung

Eine tägliche Tradingroutine spart viel Zeit, so dass ich ca. von 30 min Zeitaufwand pro Handelstag ausgehen würde. Dabei fallen ca. 5 Minuten auf die Beurteilung der Marktlage, 10 Minuten auf das Positionsmanagement, 10 Minuten auf das Finden neuer Trades und 5 Minuten auf das eigentlich umsetzen. Die Zeiten sind nicht in Stein gemeißelt und können natürlich variieren. Des Weiteren vermeidet eine Tradingroutine oder auch Morgenroutine, wie es die Kollegen im Optionsbusiness nennen, Fehler. Denn je öfter du diese Tradingroutine durch führst, desto mehr wandert dieser Prozess ins Unterbewusstsein. So verschaffst du dir mehr Konzentration und Ressourcen um neue Trades zu finden und deine persönliche Strategie umzusetzen.

Wie sieht deine Tradingroutine / Morgenroutine aus?

2 Gedanken zu “Meine tägliche Tradingroutine (Morgenroutine)

  1. Hallo Chris,

    mich würde interessieren, wie du auf deine Dividendentitel gekommen bist?
    Welche diese sind und welche Kennzahlen du dabei wie gewichtet hast?
    Jeder von uns hat andere Kennzahlen, die dabei eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielen!
    Sind deine PUTS cash secured?

    LG Andreas

    1. Hi Andreas,

      bezüglich der Auswahl von dividendenstarken Aktien arbeite ich hauptsächlich mit dem DDRM Model von Josh Peters. Für meine erste Optionsstrategie, die hier nachzulesen ist, werte ich mit Hilfe des DDRMs folgende Kennzahlen aus: Dividende, Return on Equity, Gewinn pro Aktie, aktueller Aktienkurs, geschätzter Gewinnwachstum. Die Daten beziehe ich von unterschiedlichen Webseiten, wie zum Beispiel http://www.finviz.com.

      Wenn ich also auf neue interessante Dividendenwerte stoßen, jage ich sie erstmal durch das DDRM. Des weiteren schaue ich mir natürlich auch den Verschuldungsgrad an, Ausschüttungsquote und die Stabilität und Steigerungsrate der Dividende über die letzten Jahre.

      Zu deiner Frage zu den PUTs. Ja, meine Puts sind alle Cash Secured und falls ich Calls schreibe sind diese immer Covered.

      Beste Grüße
      Chris

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