Hilfreiche Interpretationen des Options-Deltas

Delta Grieche Wahrscheinlichkeit

In meinem Artikel zu den Optionsgriechen bin ich bereits auf die Funktion und Interpretation der wichtigsten Optionsgriechen eingegangen. Dabei ist das Delta der Option einer der wichtigsten Parameter, mit dem wir unser Risiko bei dem Handel mit Optionen steuern können. Daher möchte ich dir nun noch weitere Interpretationsmöglichkeiten des Optionsdeltas an die Hand geben.

Die Wahrscheinlichkeit, mit der die Option im Geld endet

Delta lässt sich als Wahrscheinlichkeit interpretieren, mit der die Option im Geld endet. Dabei ist das Delta immer eine Ist-Aufnahme zum derzeitigen Zeitpunkt. Steigt der Basiswert, so verringert sich die Wahrscheinlichkeit des Puts am Ende der Laufzeit im Geld zu enden. Die Wahrscheinlichkeit eines Calls im Geld zu landen wird beim Steigen des Basiswertes höher. Umgekehrt steigt die Wahrscheinlichkeit des Puts im Geld zu landen, sollte der Basiswert sinken und die Wahrscheinlichkeit des Calls sinkt.

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Verkaufen wir also einen Put mit einem derzeitigen Delta von 0.15, so beträgt die aktuelle Wahrscheinlichkeit, dass der Put am Ende der Laufzeit im Geld endet ungefähr 15 %. Ich schreibe hier bewusst “ungefähr”, da die Wahrscheinlichkeiten, die wir aus dem Delta ableiten meistens überschätzt werden. Dies bedeutet nichts anderes, als dass die Wahrscheinlichkeit meistens etwas niedriger ist, wie durch das Delta interpretiert. Zahlreiche Studien haben dies belegt.

Long oder Short – Die Richtung der Position

Zweitens gibt das Delta die Marktrichtung der Position an. Ist die Position also bullish oder bearish?

Hat die Option ein positives Delta, so ist die Position bullish. Steigt der Basiswert, so steigt auch der Preis der Option. Hat die Option ein negatives Delta, so ist die Position bearish. Steigt der Basiswert, so fällt der Preis der Optionen. Und umgekehrt.

Die äquivalente Anzahl der Aktien des Basiswertes

Die dritte Möglichkeit zur Interpretation des Deltas einer Option ist die Folgende: Das Delta repräsentiert die äquivalente Anzahl an Anteile an dem Basiswert. Klingt erstmal kompliziert, ist es aber nicht.

Eine Aktienoption bezieht sich immer auf 100 Anteile des Basiswerts. Somit repräsentiert eine Put Option mit einem Delta von 0.15 also 15 Anteile am Basiswert. Eine Call Option mit einem Delta von 0.75 also 75 Anteile am Basiswert. Steigt das Delta weiter und ist tief im Geld (in the Money, ITM), so werden bei einem Delta von 1 maximal 100 Basiswerte repräsentiert. Dies erklärt auch, wieso für verkaufte Optionen mit höheren Deltas eine deutliche höhere Margin hinterlegt werden muss.

Interessant wird die Rechnung nun bei kombinierten Positionen, wie zum Beispiel einem Covered Call. Dieser Covered Call könnte hier aus 100 Aktien des Basiswertes und einem verkauften Call auf diesen Basiswert bestehen. Angenommen die Call Option hat zum Zeitpunkt des Verkaufs ein Delta von 0.25, so repräsentiert der Covered Call nun nur noch 75 Anteile des Basiswertes (100-0.25 aus dem Call). Die Position ist nun gehedged. Steigt der Basiswert nun weiter, so vergrößert sich auch das Delta des Calls bis hin zu einem Delta von 1. Damit ist die Position dann zu 100 % gehedged und ein weiterer Anstieg des Basiswertes wirkt sich nicht mehr auf den Gewinn dieser Position aus.

Fazit

Das Delta der Optionen ist mehr als nur eine griechische Kennzahl und lässt sich vielfältig nutzen. Jeder Optionstrader sollte sich mit den Interpretationsmöglichkeiten des Optionsdeltas vertraut machen und diese zu seinem Vorteil und für seine Strategie nutzen.

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