Den impliziten Volatilitätsrang (IVR) als Optionshändler von Vorteil nutzen

Im folgenden Artikel möchte ich dir zeigen, was der impliziten Volatilitätsrang (IVR) ist und aufzeigen, wie du diesen zum Vorteil bei deinem Optionshandel nutzen kannst.

Im letzten Artikel zur impliziten Volatilität und der Standardabweichung habe ich dir bereits gezeigt, was die implizite Volatilität (IV) ist. Kurz zusammen gefasst handelt es sich bei der impliziten Volatilität um die erwartete Volatilität eines Basiswertes in der Zukunft. Dies ist so zu sagen die Erwartung des Marktes, wie der Basiswert schwanken wird. Diese erwartete Schwankungsbreite wird bei Optionen mit eingepreist und ist über das Black-Scholes Modell berechenbar. Optionen eines Basiswert mit einer hohen Volatilität sind somit teurer, wie jene mit niedrigerer Volatilität.

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Die Veränderung der impliziten Volatilität

Die implizite Volatilität ändert sich ständig, da sich die Erwartung des Marktes über einen Preis des Basiswertes stetig ändern. Dies wiederum wird durch viele Faktoren und natürlich der Angebot und Nachfrage beeinflusst. So zum Beispiel steigt die IV vor der Bekanntgabe von Quartalszahlen stark an, da die Marktteilnehmer eine größere Volatilität (z.B. Preissprünge) erwarten. Auch Dividenden haben einen Einfluss auf die IV, da Auszahlungen von Dividenden zu Kursabschlägen führen.

Nun gibt Zeitpunkte, an denen die implizite Volatilität in einem Jahr am höchsten ist und natürlich Zeitpunkte an denen diese am niedrigsten ist. Zu den anderen Zeiten schwankt die implizite Volatilität zwischen diesen beiden Maximalwerten.

Wir definieren nun die höchste implizite Volatilität eines Jahres als IV_max und die niedrigsten implizite Volatilität als IV_min. Dazwischen gibt es einen Wert der impliziten Volatilität, der den Durchschnitt (Mittelwert) einnimmt. Diesen definieren wir als IV_mittel.

Mathematisch kann man nun nachweisen, dass Werte, die über dem Mittelwert liegen dazu tendieren, zu dem Mittelwert zurück zu kehren. Das selbe gilt für Werte unter dem Mittelwert. Auf englisch bezeichnet man diesen Vorgang als “Reversion to the Mean”, also “Rückkehr zum Mittelwert. Dies machen wir uns beim Optionshandel zu nutze, wie ich später noch zeigen werde.

Berechnung des impliziten Volatilitätsrang (Implied Volatility Rank)

Um der Lage der IV innerhalb der Schwankungsbreite zu definieren, wurde der IV-Rang eingeführt. Wir kürzen diesen mit IVR ab. Dieser kann Werte zwischen 0% und 100% annehmen. Dabei bedeutet 0%, dass die aktuelle IV der IV_min entspricht. 100% wiederum bedeutet, dass die aktuell IV der IV_max entspricht. Bei einem IVR von 50% entspricht die IV dem Mittelwert (IV_mittel).

Der IV-Rang lässt sich nun wie folgt berechnen:

IVR
=
(IV – IV_min) / (IV_max – IV_min)

Diese Berechnung hält jede Professionelle Tradingplattform, wie zum Beispiel die TWS, bereit. So lässt sich der IVR auch direkt in einer Spalte neben dem Basiswert anzeigen und eine entsprechende Sortierung der Watchlisten nach IVR lässt sich so leicht durchführen.

Was bedeutet der IVR nun für uns als Optionshändler in der Praxis?

Die Bedeutung des IVR für Optionshändler

Um zu verdeutlichen, wie wir den impliziten Volatilitätsrang für uns zum Vorteil nutzen können, schauen wir uns dazu folgende vier Fälle an:

  1. Im ersten Fall kaufen wir eine Option, bei der die implizite Volatilität unter dem Mittelwert liegt
  2. Der zweite Fall betrachtet den Verkauf einer Option, bei der die implizite Volatilität unter dem Mittelwert liegt
  3. Als nächstes schauen wir uns den Kauf einer Option an, bei der die implizite Volatilität über dem Mittelwert liegt
  4. Und zu letzt verkaufen wir eine Option, bei der die implizite Volatilität über dem Mittelwert liegt

Kauf einer Option mit IVR < 50%

Der ersten Fall betrachtet die Käuferseite der Option bei einem IVR, der unter dem Mittelwert liegt. Wir wissen, dass Optionen dem Zeitwertverfall (Theta) unterliegen und somit stetig an Wert verlieren. Nun gibt es zwei Möglichkeiten mit gekauften Optionen Geld zu verdienen. Entweder, der Basiswert läuft zeitnah in die entsprechende Richtung oder die implizite Volatilität der Option steigt stark an. Wir wissen aus den vorherigen Überlegungen, dass die IVR die Tendenz hat zum Mittelwert zurück zu kehren (reversion to the mean). Somit ist ein Anstieg der impliziten Volatilität wahrscheinlicher, als ein weiterer Abfall. Mit dem Anstieg der Volatilität steigt auch der Preis der Optionen (siehe hierzu auch folgenden Blogbeitrag). Nach dem Preisanstieg könnten wir diese dann wieder teurer verkaufen. Die Frage ist natürlich immer nur, wann dies geschehen wird, denn die Zeit arbeitet bei gekauften Optionen gegen uns.

Verkauf (Schreiben) einer Option mit IVR < 50%

Wir verkaufen eine Option mit einem IVR < 50%. Bei einer verkauften Optionen arbeitet die Zeit generell für uns. Wir profitieren von dem Thetaverfall der Optionen und möchten diese möglichst schnell und günstig wieder zurück kaufen. In Anlehnung an den vorherigen Fall stehen wir nun aber auf der Gegenseite. Zwar arbeitet die Zeit für uns, jedoch ist ein Anstieg der IV und somit ein Preisanstieg der Option wahrscheinlicher als ein weiterer Abfall der IV (reversion to the mean). Dadurch haben wir einen statistischen Nachteil.

Kauf einer Option mit IVR > 50%

Kaufen wir eine Optionen bei der der implizite Volatilitäts Rang über 50% liegt, so läuft die Zeit erstmal wieder gegen uns. Die Option verliert stetig an Wert. Hinzu kommt, dass die implizite Volatilität mit größerer Wahrscheinlichkeit wieder abnehmen wird und die Option weiter an Wert verliert. Wir stehen also doppelt schlecht dar. Die Zeit läuft gegen uns und die implizite Volatilität auch.

Verkauf (Schreiben) einer Option mit IVR > 50%

Nun zum eigentlich spannendsten Fall für uns Optionsverkäufer. Schreiben wir eine Option so arbeitet zunächst die Zeit für uns. Die Option verliert stetig an (Zeit-)Wert Theta. Gleichzeitig ist eine größere Wahrscheinlichkeit gegeben, dass auch die implizite Volatilität wieder abnimmt (“Reversion to the mean”). Erinnern wir uns zurück, dass eine hohe IV die Optionen verteuert und eine niedrigere IV die Optionen verbilligt, so ist dies das beste Szenario was wir nutzen können. Mit dem Verfall der impliziten Volatilität wird die Option günstiger und wir können diese im Idealfall mit Gewinn zügig zurück kaufen.

Fazit und Zusammenfassung

Der implizite Volatilitäts Rang berechnen einen aktuellen Rang innerhalb der minimalen und maximalen impliziten Volatilität. Der Betrachtungszeitraum ist meistens ein Jahr. Der Rang gibt Aufschluss darüber, ob die IV zur Zeit höher oder niedriger als der Durchschnitt (Mittelwert) ist.

Die implizite Volatilität tendiert dazu, zum Mittelwert zurück zu kehren. Auf englisch heißt diese Erkenntnis “Reversion to the mean”.

Optionskäufer haben einen statistischen Vorteil, wenn sie Optionen mit einem niedrigen impliziten Volatilitätsrang (<< 50) kaufen. Es ist wahrscheinlicher, dass die implizite Volatilität zunimmt und damit der Optionspreis steigt, als umgekehrt.

Optionsverkäufer haben einen statistischen Vorteil, wenn sie Optionen mit einem hohen impliziten Volatilitätsrang (>50) verkaufen. Es ist wahrscheinlich, dass die implizite Volatilität abnimmt und damit der Optionspreis sinkt, als umgekehrt.

Als Optionsverkäufer (Stillhalter) profitieren wir also doppelt, wenn wir uns an die Regeln halten Optionen nur mit einem hohen IVR zu verkaufen. Zum einen arbeitet der Zeitwertverfall für uns, zum anderen bietet uns die die Rückkehr der IV zum Mittelwert (reversion to the mean) dann einen statistischen Vorteil.

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