Darum handele ich keine Spreads (Nackte Optionen vs. Spreads)

Gewinnwahrscheinlichkeit

Wer sich meine Monatsabschlüsse regelmäßig anschaut weiß, dass ich nur nackte Optionen oder Covered Calls verkaufe. Bei den nackten Optionen handelt es sich entweder um einzelne Cash Secured Puts oder auch Strangles. Als Basiswert kommen für mich entweder Aktien oder Futures infrage, wobei ich die Futureauswahl aktuell relativ eng auf Natural Gas und Crude Oil beschränke.

Bei meinem Einstieg in die Optionswelt war ich aber auch von vertikalen Spreads sehr angetan. Zum einen aufgrund der geringen Marginanforderungen dieser Konstruktionen und zum anderen durch das beschränkte Risiko dieser Optionskombinationen.

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Warum ich mich dennoch gegen Spreads entschieden habe und weiterhin für Strategien mit theoretischem unbegrenztem Risiko entscheide, erfährst du im folgenden Artikel.

Was ist ein vertikaler Spread?

Noch kurz zur Wiederholung: Ein vertikaler Spread entsteht durch das Halten einer Put Short Option und einer weiter aus dem Geld liegenden Put Long Option. Beide mit derselben Laufzeit (ansonsten würde ich sich um einen vertikalen Spread handeln).

Setzt du zum Beispiel einen Spread aus einem Short Put mit dem Strike 100 USD und einem Long Put mit einem Strike von 95 USD auf, so ist das maximale Risiko auf 500 EUR ( (100-95) x 100) beschränkt. Daher folgen auch die entsprechend geringeren Marginanforderungen, da für den Broker das Risiko, wie für dich auch, gedeckelt ist.

Weitere Vorteile von vertikalen Spreads

Wie eben beschrieben bieten Spreads also schon mal den Vorteil, einen Trade mit einem begrenzten Risiko aufzusetzen. Dies führt gleichzeitig zu dem zweiten Vorteil, nämlich den deutlich geringeren Marginanforderungen an die Positionskombination. Mit dem Kauf des Long Puts reduzierst du automatisch die Marginanforderung für den verkauften Short Put.

Und dies führt zu einem weiteren Vorteil der Spreads gegenüber Strategien mit theoretischem unendlichen Risiko:

Der Return On Margin (RoM) kann exorbitant hoch sein. Return On Margin berechnet sich aus dem Quotienten aus dem Gewinn geteilt durch den Margineinsatz. Je geringer also der Margineinsatz bei gleich bleibenden Gewinn ist, desto höher ist der RoM. Hierzu ein kurzes Beispiel:

Wir setzen nun den vertikalen Spread mit den beiden Strikes von oben auf. Wir wählen den Strike bei 100 USD für die Short Put Option und 95 USD Dollar für die Long Put Option. Der Short Put bringt uns eine Prämieneinnahme von 100 USD und der Long Put kostet in dem Beispiel 50 USD. Damit erzielen wir also einen maximalen Gewinn von 50 USD pro Spread, sollten wir die Prämie vollständig vereinnahmen können. Gleichzeitig können wir maximal 500 USD abzüglich der vereinnahmten Prämie verlieren. Somit stehen 450 USD (500 USD – 50 USD) im Risiko. Dies ist auch die Marginanforderung für diesen Trade.

Angenommen wir können den Trade nach 30 Tagen mit maximalem Gewinn schließen. Dann folgt ein RoM von:

50 USD / 450 USD = 11,1%

Wir haben also in einem Monat 11,1 % Rendite auf unser eingesetztes Kapital generiert! Könnten wir dies 12 mal im Jahr wiederholen, kämen wir auf Renditen deutlich über 100 %.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Genau darum geht es im nächsten Kapitel.

Ein Blick auf die Gewinnwahrscheinlichkeiten und den Erwartungswert

Vertikale Spreads sehen in der Theorie erstmal gut aus. Jedoch habe ich ein großes Problem damit. Um dieses Problem zu erläutern, werfen wir einen Blick auf die Wahrscheinlichkeiten bzw. den Erwartungswert. Dabei steht die Frage im Vordergrund:

Was verdienen wir pro Trade, wenn wir die Strategie langfristig umsetzen?

Dies ist die essenzielle Frage jeder Strategie.

Der Erwartungswert bei Cash Secured Puts

Wir gehen hier direkt wieder in ein praktisches Beispiel und verkaufen einen Cash Secured Put mit theoretisch unbegrenztem Risiko.

Folgende Parameter weist der Put auf:

Basiswert xyz, Strike 100 USD, Laufzeit 30 Tage, Prämie 100 USD bei einem Delta von 0,2.

Wir setzen folgende Regeln der Strategie zur Gewinnmitnahme und Verlustbegrenzung. Diese sind natürlich völlig individuell, dienen aber der Vergleichbarkeit beider Beispiele:

  • Der Gewinn wird bei 75 % realisiert
  • Der Verlust wird bei -150 % realisiert

Der langfristige Erwartungswert dieser Strategie berechnet sich nun wie folgt:

Langfristiger Gewinn pro Trade
=
Gewinnwahrscheinlichkeit x Max. Gewinn – Verlustwahrscheinlichkeit x Max. Verlust

Die Wahrscheinlichkeiten für den Gewinn und Verlust kennen wir, da wir hier eine Option mit Delta 0,2 Verkaufen. Somit wissen wir, dass wir zu ungefähr 80 % einen Gewinner realisieren können. Zu 20 % beenden wir den Trade mit einem Verlust. Der maximale Gewinn liegt bei 75 USD (75 % von 100 USD Prämie) und der maximale Verlust liegt bei 150 USD (150 % von 100 USD Prämie).

Daraus folgt nun der Erwartungswert dieser Strategie. Also wie viel wir durchschnittlich pro Trade gewinnen oder verlieren. Um mit dieser Strategie Geld verdienen zu können MUSS der Erwartungswert positiv sein.

Wir setzen nun die Zahlen ein:

0,8 x 75 USD – 0,2 x 150 USD = 30 USD.

Mit jedem Trade verdienen wir also langfristig 30 USD.

Nun schauen wir uns den Trade mit demselben Basiswert und Parametern an, wenn wir diesen als vertikalen Spread aufsetzen.

Der Erwartungswert beim vertikalen Spread (Hier am Beispiel Bull Put Spread)

Der Basiswert ist derselbe wie im Beispiel oben.

Für den Short Put wählen wir:
Strike 100 USD, Laufzeit 30 Tage, Prämie beträgt 100 USD bei einem Delta von 0,2

Für den Long Put wählen wir:
Strike 95 USD, Laufzeit 30 Tage, Prämie beträgt 50 USD bei einem Delta von ca. 0,1.

Der maximale Gewinn errechnet sich nun auf der vereinnahmten Prämie aus dem Short Put abzüglich der bezahlten Prämie für den Long Put. Wir können also maximal 50 USD verdienen. Für den maximalen Gewinn müssen wir die Optionen verfallen lassen.

Wie bei dem Beispiel mit dem Cash Secured Put, beträgt unsere Gewinnwahrscheinlichkeit wieder 80 % (Delta 0,8). Das Delta unseres Long Puts interessiert uns hier nicht, da dieser nur zur Verlustbegrenzung gekauft wurde.

Unser maximaler Verlust sind 100 x 5 USD (Spreadbreite) abzüglich der vereinnahmten Prämie. Damit kommen wir auf einen maximalen Verlust von 400 USD.

Setzen wir diese Werte wieder in die Formel zur Berechnung des Erwartungswerts ein, folgt:

0,8 x 50 USD – 0,2 x 400 USD = -40 USD!

Und genau hier ist der Haken.

Während die Gewinnwahrscheinlichkeiten bei dem Cash Secured Put und vertikalen Spread gleich bleiben, sinkt der maximale Gewinn beim Spread um die Prämie des Long Puts. Lasse ich die Optionskombination jetzt ungeachtet auslaufen, weist diese Strategie einen negativen Erwartungswert von -40 USD pro Trade auf!

Generell könnte man die maximalen Verluste auch enger setzen, indem man den Verlusttrade schon vorzeitig schließt. Bei einem maximalen Verlust im oben genannten Beispiel von 200 USD kämen man somit auf einen Erwartungswert von 0! Begrenzt man die Verluste bei 150 USD käme man auf einen Erwartungswert von 10 USD pro Trade.

Fazit

Spreads bieten den Vorteil der festen Verlustbegrenzung. Entsteht zum Beispiel eine Kurslücke des Basiswerts über Nacht, so ist das Risiko mit einem Spread begrenzt, während bei einem Cash Secured Put rein theoretisch ein unbegrenztes Verlustrisiko besteht (die Aktie kann natürlich nicht tiefer als bis 0 USD fallen). Des Weiteren können Spreads aufgrund der niedrigen Marginanforderungen eine hohe Return on Margin (RoM) und somit hohe Rendite erzeugen. Zumindest auf dem Papier.

Der Nachteil bei den Spreads und das ist mein persönliches K.O. Kriterium für Spreads ist der deutlich niedrigere bzw. unter Umständen auch negative Erwartungswert der Spread-Strategie. Möchtest du Spreads handeln, solltest du hier genau deine Zahlen kennen und den Erwartungswert deiner Strategie berechnen. Denn nur mit einem positiven Erwartungswert kannst du mit deiner Strategie auch Geld verdienen.

Chris

Der Veroptionierer

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2 Gedanken zu “Darum handele ich keine Spreads (Nackte Optionen vs. Spreads)

  1. Hi,

    den Erwartungswert bei Cash Secured Puts kannst du so eigentlich nicht berechnen bzw. so bildest du nicht die ganze Wahrheit ab… denn die Gefahr bei Stillhaltergeschäften sind meiner Meinung nach unberechenbare Kursschwankungen des Basiswerts, welche bspw. zu einem massivem Downgap führen… dann nützt einem die Regel mit max. 150% Verlust nichts und der tatsächliche Verlust ann erheblich höher sein. Diese variable ist kaum in den Erwartungswerte mit einzuberechnen, kann das Ergebnis aber massiv beeinflussen. Schönrechnen hilft auch nicht 😉

    Grüße

  2. Hallo Chris,

    im vorherigen Kommentar wurde ja schon beschrieben, dass der Erwartungswert schöngerechnet wurde. Ich habe hier noch einen Einwand dazu: Du verwendest für den Erwartungswert das Delta, um die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns zu berechnen. Dies ist aber nur dann gültig, wenn die Position bis zum Ende der Laufzeit gehalten wird und sagt nichts darüber aus, was in der Zwischenzeit passieren kann. Es sollte hier zumindest der POT-Wert für die Gewinnwahrscheinlichkeit zugrunde gelegt werden, und dieser ist bei einem Delta von 0.2 ca. 40%. Da jedoch bei Deinem Beispiel eines CSP im Falle eines Kursrückgangs die Vola steigt, wird auch Deine Verlustgrenze schon vor dem Anlaufen des Strikes erreicht.

    Meines Erachtens kann auf diese Art der Erwartungswert nicht berechnet werden. Du kannst diesen näherungsweise berechnen, indem Du
    1. eine Montecarlo-Simulation mit den aktuellen Kennzahlen (Basispreis, Vola, Laufzeit, etc). durchführst, und
    2. Gaps mit einbeziehst, also z.B aufgrund des Verhaltens des Underlyings in gewissen Grenzsituationen.

    Außerdem darf das Delta des Long-Legs nicht vernachlässigt werden, außer es handelt sich hier um einen Teenie.

    Viele Grüße,
    Eric

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