Covered Calls sind sicherer als Short Puts, oder?

Risiko bei Covered Calls und Short Puts

Im Artikel Wie du (fast) ohne Eigenkapital eine Aktienposition aufbaust, habe ich dir bereits gezeigt, wie du eine synthetische Aktienposition aufbauen kannst. Im Folgenden möchte ich das bereits Erklärte nutzen. In den Köpfen vieler Trader ist immer noch das Vorurteil zu finden, Covered Calls seien sicher und Short Puts hochrisikoreich. Ob dem wirklich so ist, zeige ich dir im folgenden Beitrag.

Dazu schauen wir uns zunächst das Risikoprofil eines Short Puts an.

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Das Verhalten eines Short Puts bei steigendem und fallenden Basiswert

In der Abbildung findest du das Risikoprofil eines Short Puts.

Risikoprofil Short Put
Risikoprofil Short Put

Bei steigendem Basiswert wird der Put günstiger und unsere Position weist einen Gewinn auf. Da der Put aber maximal seinen gesamten Wert verlieren kann, ist der Gewinn eines Short Puts begrenzt. Den maximalen Betrag, den wir einnehmen können, ist die gesamte Prämie.

Fällt der Basiswert, auf den den wir den Put geschrieben haben, so wird der Put teurer. Der Put gewinnt an innerem Wert, solange bis er keinen Zeitwert mehr hat. Dann läuft die Position eins zu eins mit dem Basiswert und verliert entsprechend. Theoretisch gesehen hat ein Short Put somit ein unbegrenztes Risiko. Allerdings kann der Basiswert auch nur maximal bis auf null fallen, sodass damit das maximale Risiko des Short Puts gedeckelt ist. Wir können den Verlust realisieren, indem wir den Short Put teurer zurückkaufen, wie wir ihn verkauft haben.

Das Verhalten eines Covered Calls bei steigendem und fallenden Basiswert

Wie sieht das Ganze nun bei einem Covered aus?

Wir besitzen also 100 Aktien eines Wertes und schreiben einen Call, der aus dem Geld ist. Zum Beispiel ein Delta 30 Call, der mit ca. 30 % Wahrscheinlichkeit im Geld ausläuft. Wieder betrachten wir nun beide Fälle. Einmal steigt der Basiswert und einmal fällt dieser.

Steigt der Basiswert, so weist die Position für sich einen Gewinn auf. Gleichzeit verteuert sich der Call, was wiederum zu einer Verlustposition des Calls führt. Sobald der Basiswert so weit gestiegen ist, dass dieser dem Strike des Calls entspricht, haben wir mit dieser Position unseren maximalen Gewinn erreicht. Nämlich die Prämie unseres Calls, die wir ja beim Verkauf eingenommen haben, sowie die Differenz zwischen dem Kaufkurs des Basiswertes und dem Strike des Calls. Na, kommt dir das bekannt vor? Exakt! Bei steigendem Basiswert weist der Covered Call exakt das gleiche Verhalten auf, wie ein Short Put. Der Gewinn ist gedeckelt.

Schauen wir uns nun den anderen Fall an. Der Basiswert sinkt.

In diesem Fall weist unser Basiswert einen Verlust aus, der hoch so ist wie die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs und des Kaufkurses. Der Short Call wird günstiger, bis dieser so weit aus dem Geld ist, dass dieser keinen Wert mehr hat. Wir können somit die gesamte Prämie als Gewinn verbuchen, aber die gesamte Covered Call Position ist im Verlust. Der Verlust ergibt sich aus der Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswertes abzüglich des Kaufkurses plus eingenommener Prämie durch den Short Call.

Kommt dir das bekannt vor? Richtig! Auch bei fallendem Basiswert weist der Covered Call exakt das gleiche Verhalten auf, wie der Short Put. Denn der Short Put wird bei steigenden Basiswert teurer. Wir müssen ihn teurer zurückkaufen. Der Verlust ergibt sich dann durch den Rückkaufswert abzüglich eingenommener Prämie.

Die Mathematische Herleitung des Covered Calls

Im Artikel Wie du (fast) ohne Eigenkapital eine Aktienposition aufbaust, habe ich bereits eine Formel zur Definition einer Position eingeführt, die aus mehreren Einzelkomponenten besteht. Ich habe gezeigt, dass eine Long Position aus einem am Geld liegenden Long Call und einer am Geld liegenden Short Put Position bestehen kann. Dieser Formel nutzen wir jetzt, um den Covered Call herzuleiten.

Wir rekapitulieren, dass sich eine synthetische Long Position wie folgt zusammen setzt:

S = C - P

Wobei “S” = Long Aktien Position, “C” = Long Call, “-P” = Short Put.

Stellen wir die Formel nun so um, dass wir den Covered Call auf der linken Seite der Gleichung stehen haben. Ein Covered Call würde demnach mit einem “S – C” dargestellt werden, also einer Long Aktien Position (“S”) und einem Short Call (“-C).

S - C = -P

Wie du siehst lässt sich mit Hilfe dieser Gleichung die Äquivalenz zwischen einem Covered Call (Long Aktienposition = S und Short Call = -C) und einem Short Put (-P) mathematisch Herleiten und beweisen.

Was bedeutet dies nun?

Fazit: Covered Calls vs. Short Put

Im Beitrag habe ich durch die qualitative Herleitung unter Berücksichtigung des Risikoprofils einzelner Positionen, wie auch durch die quantitative Herleitung über Formeln gezeigt, dass ein Covered Call und ein Short Put exakt das gleiche Risikoprofil aufweisen. Das Gerücht, ein Covered Call sei demnach nicht so risikoreich, wie ein Short Put, ist somit widerlegt. Covered Calls und Short Puts verhalten sich sowohl bei steigenden, wie auch bei fallenden Kurse gleich (unter Berücksichtigung der eingenommenen Prämie des Short Calls). Welche Optionsstrategie du am Ende nutzt, bleibt natürlich dir und deiner Strategie überlassen. Hinsichtlich des Risikoprofils brauchst du hier aber nicht abwägen, sondern sollte die für dich passende Strategie finden.

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5 Gedanken zu “Covered Calls sind sicherer als Short Puts, oder?

  1. Hallo Chris,

    bei dir sind ein paar Flüchtigkeitsfehler:

    Wir besitzen also 100 Aktien eines Wertes und schreiben einen Put, der aus dem Geld ist. Zum Beispiel ein Delta 30 Put, der mit ca. 30 % Wahrscheinlichkeit im Geld ausläuft. Wieder betrachten wir nun beide Fälle. Einmal steigt der Basiswert und einmal fällt dieser. – Hier willst du doch eigentlich sagen, wir schreiben einen Call.
    Denn der Short Put wird bei steigenden Basiswert teurer. – Der short Put wird bei fallenden Kursen teurer

    Der Vorteil eines CC ist natürlich, dass im Gesamtergebnis nicht nur die Prämie des Calls berücksichtigt werden darf, sondern auch der Kursgewinn der Aktien.

    So wäre der mögliche Gesamtgewinn eines 30 Delta covered Call höher, wie bei einem 30 Delta Put.
    Ich muss aber auch sagen, das covered Calls eher als Dividendenersatz eingesetzt werden.

    Wie du schon zum Schluss schreibst, es kommt auf die eigene Strategie an.

    1. Hi Martin,

      danke dir für die Korrektur der Flüchtigkeitsfehler :-)! Habe ich direkt korrigiert.

      Danke auch für deine Kommentierung! Vollkommen korrekt 🙂

      Besten Dank
      Chris

  2. Ich denke ein Punkt könnte man noch im Beitrag ergänzen und zwar der, dass man bei Covered Calls auf Dividendentitel ebenfalls noch Dividenden kassiert welche ohne weiteres Zutun fliessen, d.h. auch wenn man mal für eine Zeit lang keine CCs schreibt hat man trotzdem noch einen Cashflow. Mit CCs kann man also 3fach Cash beziehen : 1. Kursgewinne 2. Prämien 3. Dividenden.
    Ok hat nichts direkt mit dem Risiko zu tun, aber kann man noch erwähnen.

    Danke

    JC

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