Cashflow mit Optionen an der Börse: Die High IVR Strategie

Tradingstrategie

Ich möchte dir hier eine meiner aktuellen Tradingstrategien vorstellen. Bei dieser Strategie handelt es sich um eine Tradingstrategie, die darauf abzielt stetigen Cashflow an der Börse zu generieren. Dabei werden nur Optionen auf Aktien geschrieben, die sowohl eine hohe implizite Volatilität besitzen, wie auch einen hohen implizierten Volatilitätsrang (IVR) aufweisen

Die Idee hinter der “High IVR” Strategie

Die Aktienpreise werden zu einem Großteil durch Emotionen der Anleger beeinflusst. Dabei führt Panik dazu, dass Aktien abgekauft werden und der Kurs stark einbricht. Gier wiederum führt dazu, dass Aktien durch die Decke gehen und die Kurse in die Höhe schießen.

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Gerade wenn die Unsicherheit über zukünftige Aktienpreise groß ist, zahlen die Anleger mehr für Optionen, um sich gegen fallende oder steigende Kurse abzusichern. Dabei zahlen sie einen Aufschlag für die Versicherung, die sie sich in Form von Optionen kaufen. (Siehe auch mein Artikel zur impliziten Volatilität und Standardabweichung). Die implizite Volatilität der Option ist dabei groß und führt zu einer Verteuerung der Optionspreise.

Dies mache ich mir mit der “High IVR Short Puts”-Strategie zu Nutze und verkaufe hier Put Optionen an die ängstlichen Marktteilnehmer zu teuren Preisen. Dabei erhalte ich hohe Prämien, aber übernehme dafür das Risiko die Aktien zum Strikepreis übernehmen. Natürlich nur, sollte sich der Kurs des Basiswertes am Ende der Optionslaufzeit unter dem Strike der Option befinden.

Schauen wir uns nun die Details dieser Strategie an.

Breakdown der Strategie

Wie in meinem Blogbeitrag “Diese Inhalte gehören in deine persönliche Tradingstrategie” beschrieben, unterteile ich meine Strategie in den Einstieg, Moneymanagement und den Ausstieg.

Marktbedingungen

Zunächst einmal betrachte ich hierzu meinen Market Monitor. Mir geht es im Wesentlichen bei dieser Strategie darum, dass der Markt in einem Aufwärtstrend ist. Hierzu schaue ich mir die Lage des S&P 500 gegenüber seines 200er und 50er gleitenden Durchschnitts an. Liegt der Kurs über den Durchschnitten, so liegt für mich ein Aufwärtstrend vor und diese Strategie kann gehandelt werden.

Die Auswahl des Basiswertes

Zunächst arbeite ich mit einer Watchlist, die eine Sammlung an Basiswertes enthält. Fokus hierbei sind zum einen Aktien, die recht volatil sind, beispielsweise Apple, Tesla oder auch Nvidia. Dies weisen eine entsprechend hohe implizite Volatilität auf, die zu hohen Optionsprämien führt. Zum anderen habe ich auf der Watchlist langjährige Dividendenzahler, die ihre Dividende Jahr für Jahr erhöhen. Letzteres kommt jedoch selten für diese Strategie infrage.

Ich sortiere die Watchliste nun nach implizierten Volatilitätsrang und gehe Basiswert für Basiswert durch. Diesen prüfe ich auf anstehende Quartalszahlen, da ich versuche Earnings innerhalb der Laufzeit der Option zu vermeiden. Liegt der IVR mindestens bei 40, so kommt der Kandidat für einen Optionstrade generell in Frage.

Als Nächstes werfe ich einen Blick auf den Chart. Im Idealfall weist dieser einen Aufwärtstrend auf oder mindestens einen Seitwärtstrend. Bei einem Abwärtstrend handele ich nur, wenn starke Unterstützungen vorliegen, die ein Ende des Abwärtstrends vermuten lassen.

Nachdem ich die oben genannten Punkte geprüft habe, überprüfe ich das Vorliegen meiner Einstiegsvoraussetzungen für diesen Basiswert.

Die Einstiegsvoraussetzungen

Meine beschriebe Strategie sieht vor Put Optionen bei einem Delta von <= 0,05 zu verkaufen. Damit bewegt sich der Strike zwischen der 1. und 2. Standardabweichung und ich bin weit aus dem Geld.

Die Laufzeit der Option soll zwischen 30 und 60 Tage betragen, da hier der Preiswertverfall stark einsetzt.

Somit fange ich an mir die Optionskette anzuschauen. In der Regel beginne ich bei der Laufzeit, die am nächsten an 45 Tage liegt. Habe ich den passendes Strike gefunden, werfe ich einen Blick auf die Liquidität der Option bei diesem Strike.

Diese sollte mindestens bei 300 liegen, dh. es liegen mindestens 300 offene Optionspositionen vor. Ohne ausreichende Liquidität sind die Spreads zu weit und wir bekommen unter Umständen Schwierigkeiten die Option wieder zurückzukaufen.

Des Weiteren möchte ich eine Prämie von mindestens 100 USD pro Put einnehmen, also einen Put mit mindestens 1 USD verkaufen.

Das Moneymanagement

Als Nächstes stellt sich dann die Frage, wie groß die Positionsgröße sein soll. Dabei handle ich nach dem Motto “Trade small, Trade often”. Also eröffne ich eher viele, kleinere Positionen, als wenige große. Da wir als Optionsverkäufer Wahrscheinlichkeiten handeln, stellt sich die erwartete Ausgangswahrscheinlichkeit des Trade erst nach vielen Trades ein.

Ich fahre hier also zweigleisig. Zum einen halte ich die Positionsgröße klein. Eine Position soll hier maximal 0,3% meiner Portfoliogröße ausmachen. Zum anderen soll die Margin für diese Position maximal 3% meines Portfolios einnehmen. Broker berechnen das Risiko, für das sie die Margin blockieren. Anhand der zweiten Standardabweichung, wie ich bereits hier beschrieben habe. Dies ist (mit über 95% Wahrscheinlichkeit) das maximal Risiko dieser Position. Des Weiteren darf die maximale Marginauslastung meines Gesamtportfolios nicht mehr wie 50% betragen.

Ein weiterer wichtiger Punkte, auf den ich vor dem Schreiben der Option achte, ist der Return on Margin. Das heißt, wie viel Prämie nehme ich bezogen auf die Margin ein. Dabei ist mein Ziel mindestens 100 USD Prämie pro 1000 EUR Margin einzunehmen.

Habe ich alle Kriterien geprüft und eine passende Option (in der Stückzahl passend zu meiner Positionsgröße) ausgewählt, verkaufe ich diese nun.

Nun ist die Position offen und wir kommen zum Gewinnziel, der Verlustbegrenzung und dem Verlustmanagement.

Gewinnziel

Dieser Abschnitt wird relativ kurz. Ich schließe eine Position mit Gewinn bei 50%. Punkt!

Es gibt Gelegenheiten, bei denen der Put schon nach 1-2 Tagen bei 30% Gewinn und mehr steht. Wenn meine Marginauslastung hoch ist, nutze ich diese Gelegenheit und den Gewinn vorzeitig mitzunehmen.

Umgang mit Verlusten

Nun kommen wir zum letzten wichtigen Abschnitt. Was mache ich, wenn eine Position richtig gegen mich läuft? Hier habe ich für meine beschriebene Strategie folgendes definiert.

Verlustbegrenzung

Die Position wird geschlossen, wenn der Verlust mindestens 150% beträgt und das Delta größer 0,3 ist.

Unabhängig vom Delta wird die Position bei einem Verlust von 200% geschlossen.

Läuft die Option ins Geld, das heißt, der Kurs des Basiswertes liegt unter dem Strike abzüglich eingenommener Prämie, wird die Position auch geschlossen.

Für alle drei Fälle setze ich keine Stopps in die Tradingplattform, sondern überwache täglich mein Portfolio.

Verlustmanagement

Um weiter im Spiel zu bleiben, rolle ich nun die vorher geschlossenen Positionen nach unten und ggf. vorne. Dies hängt von der einzunehmenden Prämie ab, denn ich möchte immer für eine Prämie rollen und kein eigenes Geld hier hereinstecken. Die Kriterien für den Einstieg lehnen sich an die beschriebenen Einstiegskriterien und an das Moneymanagement an. Ist das Neueröffnen einer Position nicht möglich, da sie nicht meinen Einstiegskriterien entspricht, bleibt die Position geschlossen und suche nach anderen Basiswerten.

Aber üblicherweise steigt die Volatilität in diesem Fall so stark an (wir kommen ja von einem Delta <=0,05), dass hier noch deutlich höhere Prämien, wie zu Beginn zu verzeichnen sind. Dabei versuche ich dann auf die nächst mögliche Laufzeit zu rollen (Laufzeit 30-60 Tage gemäß Einstiegskriterien), bei der ich, unter Berücksichtigung des geschlossenen Trades, weitere Prämien generiere.

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4 Gedanken zu “Cashflow mit Optionen an der Börse: Die High IVR Strategie

    1. Hi Christopher,

      danke. Du hast vollkommen Recht. Das habe ich etwas schlecht formuliert. Ich meine natürlich 100 USD einnehmen bzw. einen Put mit einem Wert von mindestens 1 USD verkaufen.

  1. Hallo Chris!

    Nochmals vielen Dank für die tolle Seite!

    Deine Cashflow-Strategien zielen ja auf Short Puts ab, also setzt Du dann ja auf steigende (oder gleichbleibende Kurse). Da ja das Wort “Rezession” momentan in aller Munde ist, wollte ich Dich fragen, wie Du einen Bärenmarkt handelst. Short Calls?

    Vielen Dank für Deine Hilfe!

    Viele Grüße,
    Marcel

    1. Hi Marcel,

      Danke dir!

      Short Puts schreibe ich aktuell im wesentlichen auf Dividendenaktien, die ich als unterbewertet ansehe und ich mir einbuchen lassen würde, oder auf Werte mit extrem hohen Prämien. Tesla zum Beispiel bot sich hier immer gut an.

      Ansonsten Strangles auf Futures oder ETFs und dann entsprechend Rollen.

      Beste Grüße.
      Chris

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