Bedeutung und Nutzen des Implied Volatility Percentile (IVP)

implied volatility percentile

In einem letzten Artikel bin ich bereits auf das Thema implizite Volatilität von Optionen eingegangen. Des weiteren habe ich dir gezeigt, was der implizite Volatilitätsrang ist und wie du diesen als Optionsverkäufer (Stillhalter) zu deinem Vorteil nutzen kannst.

In diesem Beitrag möchte ich dir ein weiteres Tool an die Hand geben, das uns als Optionsverkäufer von nutzen ist und mit dem wir unsere Trefferquote erhöhen können: Die Rede ist vom Implied Volatility Percentile (IVP). Die deutsche Übersetzung hierzu wäre der implizite Volatilitäts Perzentil. Da dies nicht wirklich nett klingt, werde ich den Begreiff Implied Volatility Percentile bzw. IVP vewenden.

Kurzer Rückblick auf den Implied Volatility Rank (IVR)

Im letzten Artikel habe ich ausführlich beschrieben, wie sich der IVR berechnet. Der IVR beschreibt also aktuelle Lage der impliziten Volatilität in im Verhältnis zur minimalen aufgetretenen und maximalen aufgetretenen Volatilität eines Zeitraums. Implied Volatility Ranks über 50 sagen uns also, das die Volatilität mit höherer Wahrscheinlichkeit in Zukunft abnimmt. Basiswerte mit IVRs unter 50 führen mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einer Zunahme der Volatilität. Der Vorteil für uns als Optionsverkäufer liegt auf der Hand. Verkaufen wir nur Optionen auf Basiswerte mit hohem IVR, so profitieren wir zusätzlich von einem schnelleren Verfall der Optionspreise aufgrund der Abnahme der Volatilität. Im Umgekehrten Fall, als Optionskäufer, profitieren wir bei niedrigen IVRs von einer Zunahme der implizierten Volatilität, da die Optionen sich dann verteuern.

Nun gibt es eine zweite Möglichkeit die Volatilität in Bezug auf ihre (jährliche) Schwankung zu messen. Hierbei handelt es sich um das Implied Volatility Percentile, also das implizite Volatilitäts Percentil.

Was bedeutet Implied Volatility Percentile (IVP)

Der IVR bestimmt einfach nur die Lage der aktuellen IV ins Verhältnis zu dem Maximum und Minimum der IV in einem Zeitraum setzt. Der Zeitraum hierfür wird in der Regel auf Jahr gesetzt.

Dagegen berechnet das IVP die Tage in Prozent, in dem die implizite Volatilität niedriger war, wie aktuell.

Schauen wir uns direkt ein Beispiel an. Liegt das IVP bei 60%, so lag die IV an 60% der Tage des betrachteten Zeitraum unter der aktuellen IV. . Liegt dagegen das IVP bei 30%, so ist war die implizierte Volatilität an 30% der vergangenen Tage niedriger und 70% der vergangenen Tage höher wie derzeit.

Die Berechnung des IVP

Die Berechnung des Implied Volatility Percentiles ist recht trivial. Dazu teilst du einfach die Tage, an denen die implizite Volatilität unter der aktuell IV ist durch den Betrachtungszeitraum in Tagen.

IVP
=
Anzahl Tage mit IV niedriger wie heute /
Betrachtungszeitraum in Tagen

Wie du siehst berechnen wir, wie auch beim IVR, eine Prozentangabe. Der IVP kann also zwischen 0% und 100% liegen. Das IVP liegt bei 0%, wenn an allen Tagen in der Vergangenheit des Betrachtungszeitraumes die IV größer war und bei 100%, wenn an allen Tage in der Vergangenheit die IV des Betrachtungszeitraumes kleiner war.

Was ist besser? IVR oder IVP?

Es gibt hier kein gut oder schlecht. Es handelt sich lediglich um zwei unterschiedliche Indikatoren, die wir als Optionsverkäufer (Stillhalter) von Vorteil nutzen können. Ich nutze mittlerweile häufiger das IVP, da es auch die Anzahl der Tage in einem Zeitraum abbildet, in denen die IV niedriger war. Während der IVR nur den Rang innerhalb der Range (IV Min und IV Max) darstellt. Falls du die TWS nutzt, lassen sich hier beide Indikatoren in der Listansicht in jeweils einer eigenen Spalte einblenden. So lässt sich die Watchlist dann auch entsprechend sortieren und du kannst du Basiswerte heraus suchen, die die höchsten IVRs oder IVPs aufweisen.

2 Gedanken zu “Bedeutung und Nutzen des Implied Volatility Percentile (IVP)

  1. Hallo Chris,

    mich würde interessieren, ob die TWS damit z.B. Tastyworks für IVR/IVP ersetzt?
    Und wie du diese Spalten in der TWS einblendest / ist dazu ein Abo erforderlich oder gibt es diese Daten gratis?

    Danke!

    LG Andreas

    p.s. kann es sein, dass sich deine Strategie in den letzten Wochen etwas geändert hat (Futures / Tesla)?

    1. Hi Andreas,

      ja, du kannst die TWS dazu nutzen. Bei den Spalten in der Listansicht lässt sich der IV Rank und das IV Prezentil einblenden (Unter Optionen). Ich habe ein paar Marktabos, aber ich meine die Daten müssten auch kostenlos zur Verfügung stehen. Am besten einfach mal ausprobieren. Wenn es passt, mache ich gerne mal ein kurzes Video dazu.

      Bezüglich meiner Strategie: Ja korrekt. Da die Vola in den letzten Wochen ziemlich niedrig war und ich gerne neues ausprobiere, teste ich zur Zeit Optionen auf Futures. Tesla ist ein Fall für meine High IV Strategie.

      Beste Grüße
      Chris

Kommentar verfassen